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Die (rissigen) Säulen der Erde
Liebe Leser, Weihnachten naht, weshalb ich es besonders begrüße, zu einem sehr netten Lob auch eine weihnachtlich angehauchte Frage gestellt bekommen zu haben. Denn auch heute heißt es wieder: Sie fragen, ich antworte.
Die Recherche ergab also folgendes:
Der Domberg ist 257,8 Meter hoch, seine Osttürme 76 Meter (die Westtürme 74, aber die zählen nicht). Der Michelsberg misst 284,5 Meter, die Türme 66,5 Meter. Insgesamt ergibt sich folgende Rechnung:
Kloster: 284,5 + 66,5 = 351,0
Dom: 257,8 + 76 = 333,8
Unterschied: 017,2
Die Klostertürme sind also genau 17,2 Meter höher als die des Doms. So weit so gut. Aber warum? Die Antwort darauf kommt nicht vom Himmel hoch, sondern von Denkmalpfleger Achim Hubel: Der Dom wurde auf den Fundamenten einer Burg gebaut, die mindestens seit dem zehnten Jahrhundert auf dem Domberg stand. Zwar wäre der Michelsberg höher, aber er ist hinten flach - und damit schwer zu verteidigen. Der Domberg war strategisch klüger: Früher fiel er auf allen Seiten ziemlich steil ab, der Torschuster war die einzige Zufahrt. Erst im 18. Jahrhundert kam die Forderung auf, die Türen hoch und die Tore weit zu machen - der Burggraben wurde zugeschüttet, die Residenz- und die Karolinenstraße wurden gebaut.
Soviel zur Bergwahl. Jetzt noch zur Frage, ob man die geringere Höhe nicht durch einen höheren Dom hätte ausgleichen können: Mein Haus, mein Auto, mein Dom?! Hat man. 1765. Um ein Stockwerk. Vorher waren die Türme nicht einmal vom Kaulberg aus sichtbar, sagt Stadtarchivleiter Robert Zink. Es fehlten aber immer noch 17,2 Meter. Und das wird auch so bleiben. Sagt wiederum Ulrich Först, Leiter der Bamberger Dombauhütte.
Ich rechne Ihnen das mal kurz vor:
Ein Kubikmeter Sandstein wiegt 2,3 Tonnen. Eine Turmwand ist 8,3 Meter breit und die Mauern sind 80 Zentimeter dick. Macht also, wenn wir mit 17,3 Metern rechnen (wir wollen ja höher sein): 8,3 *0,8 *17,3 = 114, 9 Kubikmeter Wand * 2,3 = 264,2 Tonnen Sandstein. Für eine Wand. Grob überschlagen würde man also für einen Turm 1000 Tonnen Sandstein-Last auf die Fundamente packen. Weil zwei verschieden hohe Türme, na ja, etwas unseriös aussähen, bräuchte man 2000 Tonnen. Dabei haben die Mauern jetzt schon Risse - sie würden die zusätzliche Last nicht tragen. "Waghalsig" wäre das Unterfangen deshalb laut Först.
Und sowieso unnütz, sagt der Dombauer weiter. Denn süßer die Glocken nie klingen, nicht mal, wenn sie auf dem Michelsberg hingen - es gehe ja nur darum, dass sie auch hinterm Bahnhof noch die stille Nacht durchbrechen. 17,2 Meter mehr oder weniger, die Gläubigen kommen trotzdem herbei, wenn das Dom-Glöckchen klingt - und die Kinderlein auch. Bleibt mir also nur noch, Ihnen eine fröhliche Weihnachtszeit (ein Tipp: gnadenbringend ist sie auch noch) und einen guten Rutsch zu wünschen. Wir lesen uns im nächsten Jahr!
P.S.: Wir haben hier noch einen wunderschönen Wandkalender vom Bezirk Unterfranken. Sie können ihn haben, wenn Sie mir als Erster über leserreporter@infranken.de sagen, wie viele Weihnachtslieder in diesem Text versteckt sind. Tipps geben Ihnen die Engel, die auf dem Felde singen oder das Christuskind an Ihrer Seite. Viel Erfolg!
P.P.S.: Auch Ihre Fragen an mich sind bei leserreporter@infranken.de gut aufgehoben.
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