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Shades of Bamberg: Gestilltes Verlangen
Eine Kollegin bat mich per Email, "endlich mal" darüber zu schreiben, dass "in Bamberg im Sommer an jedem Wochenende irgendeine Veranstaltung ist, man als normaler Bürger kaum noch durchkommt und die Lärmbelästigung sehr hoch ist". Werde ich.
Und dann kam ich hierher: Landesgartenschau, Wunderburg-Kerwa, Bamberg zaubert, dazwischen ein Abstecher zum Mittelaltermarkt auf der Giechburg und zum Tambacher Sommer, Blues- & Jazz-Festival, demnächst Sandkerwa - und das waren nur die Events von Juli und August. Ich lebe im Schlaraffenland!
In Franken ist immer was los
Aber wissen Sie, was das Beste ist?! Sogar wenn hier nichts los ist, ist was los. Denn in Franken kann man einfach in jede Kneipe und in jedes Restaurant gehen, egal, wie verratzt es aussieht - und es ist nett. Und vor allem: Alle finden es normal!
Hier gehe ich sogar in Kneipen, in die ich in Schwaben nicht mal gegangen wäre, wenn es die letzte Kneipe auf der ganzen Welt gewesen wäre: Weil in Schwaben sowieso nur eine verächtlich guckende, unfreundliche Wirtin und drei besoffene, mittelalte Männer dringesessen wären, die mich allesamt als Fremdkörper betrachtet und durch ihr Schweigen hinausgeekelt hätten. In Bamberg hingegen sind in diesen Kneipen quasi alle - und alle sind dabei fröhlich.
Ich erinnere mich noch genau, wann mir das zum ersten Mal aufgefallen ist: gleich an meinen ersten Tag in Bamberg. Es war Abend, ich war von den Bewerbungsaufgaben völlig am Ende und wollte einfach nur etwas essen. Aber alles, was ich fand, war ein urig aussehendes Restaurant, aus dem Essensgeruch waberte. Mein schwäbisches Gemüt erschauderte, mein Hunger zwang mich trotzdem hinein - und es war brechend voll! (Logisch, es war auch eine der großen Brauereien, aber das kapierte ich erst sehr viel später.) So voll, dass ich zu einem mittelalten Mann an den Tisch gesetzt wurde, der sich auch noch freundlich mit mir unterhalten hat. Ich war völlig perplex!
Zielstrebig in die hinterletzte Kneipe - es war super!
Richtig kapiert, dass in Franken etwas fundamental anders ist, habe ich allerdings erst, als ich das erste Mal mit meinen Volontärs-Kollegen durch die Sandstraße zog (obwohl wir sowas ja eigentlich nie tun würden): Zielstrebig steuerten meine Kollegen auf die hinterletzte Kneipe zu, die ich für geschlossen und verfallen gehalten hatte. Wir hatten in dieser Kneipe einen großartigen Abend (genau genommen schon mehrere, aber das nur am Rande) und ich verstand: Ich habe etwas fundamental richtig gemacht!
Nun habe ich das Glück (oder Pech, je nachdem), dass ich nicht in der Stadt wohne und auch nur selten mit dem Auto durchfahren muss, so dass mir die Belästigungs-Problematik eher fremd ist. Aber bitte, liebe genervte Kollegen und Leser: Wenn Sie sich in den kommenden Tagen über Sandkerwa-verstopfte Straßen oder lärmende Menschen ärgern, dann mischen Sie sich unter sie, trinken ein Bier und denken an mich. Ich muss nämlich die gesamte Kerwa über auf meine Oma aufpassen. Und eine viertelstündige Internet-Recherche ergab bereits: In meinem Heimatdorf passiert in dieser Zeit - genauso wie in den umliegenden Dörfern und Städten (!): überhaupt nichts.
P.S.: Als Ausgleich flüchte ich danach nach Wien und Berlin, so dass Sie mich wohl erst wieder Mitte September lesen werden. Bis dahin eine schöne Zeit und viele Gelegenheiten, Frust in einen schönen Abend umzuwandeln. Bambergs Kneipen warten! Allesamt.
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