"Soeben gesehen. Bravo, Bravissimo"

Heute vor 177 Jahren wurde Max Brückner geboren, der mit seinem Bruder eine renommierte Bühnenbildwerkstatt betrieb, die Wagner begeisterte und über vier Jahrzehnte lang die Festspiel-Dekorationen lieferte.
Porträt Max Brückners (Ausschnitt) von Heinrich Iser, Öl auf Leinwand Vorlage: Kunstsammlungen der Veste Coburg
 

Ihre Arbeiten sind wundervoll! Nehmen Sie meinen herzlichen Dank. Bald sei alles zu Ihrem Ruhme vollendet." So telegraphierte Richard Wagner am 2. Juni 1882 an die Gebrüder Brückner. Die inzwischen weithin bekannte Hoftheatermalerwerkstatt in Coburg hatte auch für die zweiten Bayreuther Festspiele Dekorationen geliefert, über die Wagner, der bekanntlich nicht leicht zufrieden zu stellen war, beglückt war. Seine Witwe Cosima blieb Max und Gotthold Brückner treu. Bis 1911 wurden die Bühnenbilder für die Festspiele in ihrem Atelier an der Rodacher Straße zum Großteil entworfen und komplett angefertigt.

Schon Heinrich Brückner, der Vater der beiden, hatte als Chorsänger, Maschinenmeister und Theatermaler am Coburger Hoftheater gearbeitet. Sein zweiter Sohn, der am 14. März 1836 geboren und auf den Namen Heinrich Maximilian Brückner getauft wurde, absolvierte auf Wunsch seines Vaters zunächst ein Lehre als Konditor, half nebenbei bei den Bühnenarbeiten mit und durfte schließlich Landschaftsmalerei bei Professor Albert Zimmermann in München studieren.

Der Coburger Intendant Maximilian von Wangenheim machte Herzog Ernst II. zu Sachsen-Coburg-Gotha früh auf den talentierten Brückner-Sohn aufmerksam, der ihn mit entsprechenden Empfehlungsschreiben für ein halbes Jahr zu Studien nach England schickte. Anschließend sammelte Max Brückner im Atelier von Carl Wilhelm Gropius in Berlin Erfahrungen. 1861 erfüllte er zur vollsten Zufriedenheit des dortigen Herzogs einen ersten Auftrag für das Meininger Hoftheater, 1863 begann er durch Vermittlung von Carl Brandt, dem damals gesuchtesten Theatermaschinisten, am Stadttheater Köln zu arbeiten.

Von dort holte ihn der Coburger Herzog mit einem zurückdatierten Vertrag auf Lebenszeit in seine Geburtsstadt zurück. 1865 wurde Max Brückner zum Coburger Hoftheatermaler ernannt, mit der ausdrücklichen Erlaubnis, auch auswärtige Aufträge annehmen zu dürfen. Letztere blieben nicht aus. Im Gegenteil: 1870 gründete er in der Rodacher Straße 11 sein eigenes Atelier, zwei Jahre später holte er aus Wien seinen um acht Jahre jüngeren Bruder Gotthold in die Firma, die jetzt "Gebrüder Brückner - Atelier für szenische Bühnenbilder" hieß.

1874 nahm Richard Wagner durch Vermittlung seines Maschinisten Carl Brandt erstmals wegen der von Josef Hoffmann entworfenen Ring-Dekorationen mit den Brüdern Kontakt auf. Am 1. Dezember kam er zusammen mit seiner Familie und Brandt sogar zu Besuch nach Coburg, besuchte das Atelier und abends mit den fünf Kindern im Theater das Stück Der Registrator auf Reisen, "recht belustigend, bis auf die Couplets, von welchen die Gemeinheit uns zwingt, das Stück in der Mitte zu verlassen", wie Cosima Anfang Dezember in ihr Tagebuch schrieb. Nach den ersten Festspielen soll Wagner zu den Brückners gesagt haben: "Ihr sollt mir später ganz neue Skizzen zum Ring entwerfen, in denen Ihr Euren Intentionen folgen könnt, denn Ihr versteht mich und ich bedarf Euer."

Am 31. August 1882 begegneten sie Wagner bei einer Abschlussbesprechung vor seiner Abreise nach Italien zum letzten Mal. Cosima und Siegfried Wagner beschäftigten die Brückners weiter. Max Brückner entwarf, orientiert an den entsprechenden Modellaufführungen, aber durchaus selbst schöpferisch die Bühnenbilder für die Bayreuther Erstaufführungen von Tristan 1886, Meistersinger 1888, Tannhäuser 1891, Lohengrin 1894, Holländer 1901 sowie die Neuinszenierung der Ring-Tetralogie 1896 und für die ersten alleinigen Regiearbeiten Siegfried Wagners Lohengrin 1908 und Meistersinger 1911.

Bayreuth war ein Großkunde in mehrfacher Hinsicht, denn für die Festspiele waren Bühnenprospekte zu malen, die bis zu 21 Meter breit und 14 Meter hoch sein mussten. Die Brückner-Werkstatt lieferte darüber hinaus regelmäßig Dekorationen nach Coburg, Weimar und Meiningen, sowie an Opern- und Schauspielhäuser in Berlin, Darmstadt, Gotha, Hamburg, Karlsruhe, Köln, Mannheim, München, New York, Nürnberg, St. Petersburg, Wien und Wiesbaden.

Auch König Ludwig II. beschäftigte die Gebrüder: Auf seinen Wunsch hin legten Max und Gotthold Brückner ihm 1881 alle Skizzen und Modelle zu Parsifal vor, die Paul von Joukowsky nur skizziert hatte. Sie erhielten von ihm wertvolle Ringe als Geschenk. 1884 folgte der Auftrag, für die Separatvorstellungen des Königs sämtliche Parsifal-Bühnenbilder anzufertigen.

1892 starb im Alter von nur 50 Jahren Gotthold Brückner an den Spätfolgen eines Jagdunfalls. Max Brückner blieb aktiv, bis er mit fast 80 Jahr erblindete. Da er keine Kinder hatte, bestimmte er seinen Schüler Max Kürschner zu seinem Nachfolger; ab 1913 hieß die Firma "Max Brückner Nachfolger Max Kürschner - Atelier für szenische Bühnenbilder". 1917 wurde Max Brückner nach 55 Jahren im Dienst des Herzogischen Hoftheaters Coburg mit der Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft mit Krone ausgezeichnet. Am 2. Mai 1919 starb er in Coburg.

1989 widmeten die Bayreuther Festspiele und die Bayerische Vereinsbank der Bühnenwerkstatt der Gebrüder Brückner eine Ausstellung. 2010 erschien unter dem Titel Soeben gesehen. Bravo, Bravissimo. Die Coburger Theatermalerfamilie Brückner und ihre Beziehungen zu den Bayreuther Festspielen (Gesellschaft für Theatergeschichte Berlin, 444 S., 349 Abb., 42 €) die Doktorarbeit des aus Nürnberg stammenden Theaterwissenschaftlers Fabian Kern, die überraschende neue Erkenntnisse liefert. Der Titel des Buches zitiert eine Depesche Wagners vom 26. Juli 1881, die er nach der ersten, begeistert aufgenommenen Dekorationsprobe zu Klingsors Zaubergarten nach Coburg schicken ließ.

Apropos Theatergeschichte: Am 14. März 1847 wurde in Florenz Giuseppe Verdis Oper Macbeth uraufgeführt, genau 30 Jahre später begann Richard Wagner die Erstschrift des Textbuches zu Parsifal. Cosima notierte: "R. dichtet am Bühnenweihspiel; bei Tisch sagt er mir, ‚sie wird Gundrigia, Strickerin des Krieges heißen‘, dann aber meint er, wird er bei ‚Kundry‘ bleiben. Und Parsifal wird er heißen." Am 14. März 1811 kam außerdem Ottilie Wagner in Leipzig auf die Welt, die fünfte von insgesamt sechs Schwestern Richards.

P.S. Cosima Wagner schrieb zum 22. April 1869 in ihr Tagebuch: "Herrlicher Tag, draußen Aufbrechen der Blüten, aber Loldi krank; für mich also Kummertag. Claire schreibt, dass die Mutter etwas besser, doch nicht außer Gefahr. R. arbeitet einiges. Abends Briefe Friedrich's II., am Tage mit der Kranken und Loulou. Brief an ihren Vater aufgeschrieben. Dieser hat in Regensburg ein Konzert für den Papst gegeben; der Vater wohnte demselben bei!"

zum Thema "Mein Wagner-Jahr"

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