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Verloren auf dem Oktoberfest

Meine diesjährige Reisephase endete mit einer Fortbildung in München - und meinem ersten Oktoberfest-Besuch. Um gleich etwas Positives zu sagen: Es war toll! Und das, obwohl es nur Bier gab. Anders hingegen das Hofbräuhaus. Schon klar, dass Rosi lieber in einer Privatwohnung auf Freier wartet.
Sowas sollte man mal auf richtige Lebkuchenherzen schreiben!  Foto: ifrogdi
 

Ich finde, die Spider Murphy Gang hat den Fokus falsch gesetzt: Der Skandal ist nicht Rosi, sondern der Gestank im Hofbräuhaus. Eine Mischung aus Schweiß und Bier, die einen nur dann nicht rückwärts aus der Tür stolpern lässt, wenn man ein wirklich neugieriger Tourist ist. So wie ich.

Doch auch das Innere des Hofbräuhauses beeindruckte mich nicht: Hunderte Holztische mit Hunderten von Holzbänken, darauf Tausende von Leuten mit Tausenden von Bierkrügen. Ohrenbetäubender Lärm, obwohl die Kapelle gerade Pause hatte, null Gemütlichkeit. Nicht einmal, obwohl statt dem eigentlich omnipräsenten Wolle-Rose-kaufen-Rosenverkäufer ein fesches Madel mit Lebkuchenherzen herumging. Nee, nee, dann schon lieber Oktoberfest!

Die Wies'n rockt!

Das wiederum war besser, als ich immer dachte. Zwar mussten wir uns klischeemäßig zwischen unfassbaren Menschenmassen durchquetschen. Aber das war nicht halb so nervig wie erwartet, denn irgendwie sind auf der Wies'n alle fröhlich. Sogar ich, obwohl ich nur die Auswahl zwischen Bier, Bier und Bier hatte!

Aber soweit war ich noch gar nicht, als ich meine erste Wies'n-Bekanntschaft machte: mit einem netten alten Opa, der mir vor der U-Bahn freundlicherweise in den Mantel half. Und so lange nett war, bis er mir dabei an den Hintern fasste. Ich weiß, Sie denken jetzt wieder: "Der an den Hintern? Nie." Und wenn ich ehrlich bin, habe ich mich auch ein bisschen gewundert. Aber primär war ich empört. Geht's eigentlich noch?!

Zahl der sexuellen Belästigungen steigt

Dann erfuhr ich von meiner Freundin, dass das auf der Wies'n normal ist. Sogar eine Vergewaltigung gab es dieses Jahr schon. Verstehe ich nicht. Ich kann mich doch auch beherrschen, auch wenn ich besoffen bin. Warum können Männer das nicht? Sie können es sogar so massiv nicht, dass eine Frauen-Notfall-Station hinter dem Schottenhamel-Zelt eingerichtet wurde. In der ersten Oktoberfestwoche wurden dort 91 Frauen betreut, macht 13 Frauen pro Tag. Und nicht etwa solche, die betatscht wurden, sondern diejenigen, die so massiv belästigt wurden, dass es ihre Psyche angegriffen hat!

Umso besser gefällt mir diese Kampagne, die sich nicht an Frauen, sondern an Männer richtet: Lebkuchenherzen mit der Beschriftung "I frog di", "I mog di, derf i?" oder "Konsens-Spatzl" sollen Männer daran erinnern, dass auch Frauen mir kurzen Dirndln nicht zwangsweise wollen, dass jemand ungefragt druntergrabscht. Und Frauen, die einfach nur ihren Mantel anziehen wollen, schon gar nicht!

Bänke sind keinesfalls zum Sitzen da

Aber ich wollte mir ja die Laune nicht verderben lassen. Also überschüttete ich meine Empörung mit Bier und tanzte mit all den anderen fröhlichen Menschen so lange auf den Bänken, bis die Band nach Hause ging. Dabei traf ich meine zweite Wies'n-Bekanntschaft: einen türkischen Chemie-Doktoranden, dessen Namen ich bis heute nicht weiß, mit dem ich mich aber auf sehr sympathische Weise über Geschichte stritt.

Er behauptete nämlich, dass Katholiken und Orthodoxe relativ wenig gemeinsam hätten - denn ansonsten hätten Erstere Zweiteren geholfen, als die Türken Konstantinopel belagerten. Ich wiederum sagte, die beiden Religionen hätten einen gemeinsamen Ursprung und die Katholiken hätten bestimmt Gründe gehabt, nicht zu helfen. Außerdem habe Barbarossa es versucht, sei aber vorher im Fluss ertrunken.

Lass die Finger von Barbarossa!

Ich gebe zu: Das war falsch. Aber an triftige Gründe glaube ich immer noch. Irgendwas war doch mit dem Konzil von Nicäa, oder? Weiß da jemand was Genaueres? Dann würd ich dem Chemie-Doktoranden mal eine Korrektur-Email schreiben, seine Email-Adresse hat er nämlich auf einen Zettel geschrieben und diesen unauffällig in meine Tasche gesteckt. Eine sympathische Annäherungsmethode! Und langfristig deutlich effektiver als Grabschen. Vielleicht sollte man sowas mal auf Lebkuchenherzen schreiben?!

P.S.: Fast noch besser als das Oktoberfest gefällt mir die halbe Stunde nach Schließung der Zelte, in der die Menschen mit der U-Bahn nach Hause fahren. In dieser Zeit vermischt sich nämlich die gute Stimmung mit der Realität. Dabei heraus kommen zum Beispiel drei Männer, die sich mitten in der U-Bahn-Station vor einem vierten auf den Boden werfen und ihren Oberkörper nur heben, um auf seinen Befehl: "Gebt mir ein "u"!" ehrfürchtig und mit erhobenen Händen zu antworten: "Uuuuu." Was das sollte? Keine Ahnung. Aber es war lustig. Und hatte einen riesigen Vorteil: Solange man auf dem Boden liegt, kann man keine fremden Frauen angrabschen.

zum Thema "Verloren in Franken"

Kommentare

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  • community  blondeskomma Diesen Post kommentierenkommentieren

    Ehrlich...sie werden Ihren Anspruch "nur noch zu labern" gerecht.

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  • community  Parmenides Diesen Post kommentierenkommentieren

    GeschichtsstundeMit dem Konzil von Nicäa hat die Eroberung (nicht nur Belagerung) von Konstantinopel nichts zu tun. Jenes war über 1000 Jahre vorher als diese und legte die Grundlage für das katholische Glaubensbekenntnis, indem es versuchte den scheinbaren Widerspruch zu erklären, der sich aus dem Anspruch einer monotheistischen Religion und der gleichzeitigen Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und heiligen Geist ergibt. Friedrich I. (Barbarossa) war an einem Kreuzzug beteiligt - insofern hätte er wohl auch den Byzantinern geholfen, hätte er nicht schon 300 Jahre vorher gelebt. Diese riefen schon um Hilfe als es sich in den Jahren vor 1453 abzeichnete, dass die Osmanen ernst machen, aber kaum einer hatte die Ressourcen zu helfen. Frankreich und England waren gerade mit dem 100-Jährigen Krieg fertig und hatten andere Sorgen und der Kaiser des HRR hatte nicht die finanziellen Mittel, da die (Kur-)Fürsten nicht mitspielen wollten, die im Reich eigentlich das sagen hatten. Lediglich ein paar italienische Stadtstaaten (Genua, Venedig) und der Papst leisteten tatsächliche Hilfe, was jedoch nichts daran änderte, dass die Türken dennoch weit in der Überzahl waren. Grundsätzlich waren die orthodoxe und die katholische Kirche spätestens seit dem Schisma aus den 1080er Jahren komplett von einander getrennt, aber wenn die Muslime angriffen, verstand man sich dennoch als Brüder im Glauben. Wie tief die Trennung war, zeigt sich auch daran, dass im vierten Kreuzzug (um 1200), ein Kreuzfahrerheer, angestachelt von der Gier italienischer Stadtstaaten, die Stadt Konstantinopel selbst einnahm und plünderte. Also hatten beide irgendwo recht, der Chemie-Doktorand und du - mehr allerdings du. Die Rezeption der Einnahme der Stadt durch die Muslime war dann auch in der ganzen Christenheit enorm.Man war geschockt und dachte das Abendland sei in Gefahr, weil Byzanz zwar schon länger keine politische Größe, aber eine ideelle war. Dies führte zu einer entschiedeneren Verteidigung in der Folgezeit (z.b. bei wien)

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  • community  Doc-Holiday Diesen Post kommentierenkommentieren

    Danke für die GeschichtsstundeNur, was hat das mit dem "Thema" zu tun?

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  • community  operculum Diesen Post kommentierenkommentieren

    Philosophische Freiheit?

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  • community  Parmenides Diesen Post kommentierenkommentieren

    Zitat"Ich gebe zu: Das war falsch. Aber an triftige Gründe glaube ich immer noch. Irgendwas war doch mit dem Konzil von Nicäa, oder? Weiß da jemand was Genaueres? Dann würd ich dem Chemie-Doktoranden mal eine Korrektur-Email schreiben, seine Email-Adresse hat er nämlich auf einen Zettel geschrieben und diesen unauffällig in meine Tasche gesteckt."

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  • community  Domstadt Diesen Post kommentierenkommentieren

    Frauen-Notfall-Station???Da wäre es mal interessant, wie viele von den 91 Frauen, die diese Station aufgesucht haben, einigermaßen vernünftig und nüchtern waren?

    Ich könnte mir vorstellen, dass ein ziemlich großer Anteil dieser Frauen sternhagelvoll war und auch deren Angaben, die sie den dortigen Personal gegenüber gemacht haben, nicht so ganz der Wahrheit entsprachen?

    Es mag ja sein, dass ich mich täusche, aber ich habe auf solchen Festen schon das ein oder andere erlebt. Es ist schon schlimm, was sich manche Betrunkene im Rausch so zusammen reimen. Hier bezieht es sich halt auf Frauen. Viele sehen sich dann als Opfer des Fehlverhalten anderer und weinen sich aus in ihrer Sentimentalität.

    Ich frag mich halt, ob eine vernünftige Frau, die auf einen Volksfest, auf dem der Alkohol im Vordergrund steht, bei, wie die Berichterstatterin schreibt, "solch einer massiven Belästigung, dass es deren Psyche angegriffen hat", eine dortige Frauen-Notfall-Station aufsucht.

    In dieser Station 14 Tage zu arbeiten, ist meiner Meinung sicherlich nicht einfach... aber ich denk mal, diese Leute sind alle freiwillig dort.

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  • community  Brunskunnl Diesen Post kommentierenkommentieren

    das macht schon nachdenklichDer normale Mann soll gesund sein und jederzeit bereit, seine Dienste zum Überleben der Menschheit beizutragen. Irgend jemand hat ihn dabei mit einer Eigenschaft ausgestattet, welche man Sexualtrieb nennt. Dieser soll im Sinne der o. g. Sache ständig dafür sorgen, dass der Mann auch "kann", wenn die einige Stunden dauernde Fruchtbarkeitsphase des weiblichen Geschlechts gerade mal diese Dienstleistung erfordert.
    Würde sich Männlein ebenfalls nur wenige Stunden Fruchtbarkeit im Monat gönnen, wäre die Menschheit längst ausgestorben, da ja nach unseren mühsam verbogenen Moralvorstellungen jeweils nur ein Pärchen vorstellbar ist. Über Soziale Medien könnte man dann Fruchtbarkeitszyklen online stellen, um den geeigneten Partner zu finden, egal wie der aussieht.
    Dieser (gewollte und für das Überleben gebrauchte) dauerbereite Mann, läuft dann durch eine Stadt wie München, wo tausende von hochgeschnallten Brüsten oder anderer sekundärer Geschlechtsmerkmale, einen Kampf zwischen seinen eingepeitschten Moralvorstellungen (umrandet von Gefängnisgittern) und seinem Evolutionsauftrag einen Kampf austragen lassen.
    Bei der geringsten Reaktion auf derartige sexuelle Anreize stehen massenhaft Feministinnen und Diener des Staates bereit um den jeweiligen Trieb-Trottel hinter Gitter zu bringen.
    Keiner noch daran gedacht, dass Zeitschriften mit massenhaft nackerten Frauen, aus dem Dirndl springende Möpse, bauchfreie T-Shirts, oder Röcke, welche beim Aufstieg über eine Treppe einen Blick quer durch die Lüneburger Heide bzw. die Sahara freigeben, eine ganz massive sexuelle Belästigung des Mannes darstellen?
    Wer vor einem Hund mit einer Wurst rumspielt muß damit rechnen, dass der zuschnappt.

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  • community  Franky49er Diesen Post kommentierenkommentieren

    die Evolution zum aufrechten Gangsoll die Zivilisation erst ermöglicht haben - wird behauptet. So kriegt nicht jeder mit, wann Eisprung.

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  • community  Der_Doktor Diesen Post kommentierenkommentieren

    Und ich habe gedacht,daß die neue Moderation derartigen Stuss verhindert... Wieder eine Hoffnung enttäuscht.

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  • community  wolwei Diesen Post kommentierenkommentieren

    Ach soUnd diese Aussicht, wie Sie sie nennen, rechtfertigt also das Handeln des Mannes?
    Womöglich sagen Sie auch noch, die Frauen sind selber schuld, wenn sie sich so anziehen und so rumlaufen?
    Das ist hoffentlich nicht ihr Ernst.
    Wenn die Männer ihre Triebe nicht im Griff haben, dann sind diese schuld und niemand anders. Egal welchen reizen sie angeblich ausgesetzt sind.

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