Freitag, 14. Oktober 2016 09:41

Semesterstart an der Universität Bayreuth

Für das Wintersemester erwartet die Universität Bayreuth rund 13 000 Studierende. Was ändert sich, was bleibt?
Studenten vor der Mensa in Bayreuth. Foto: Christian Beyer.

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Rund 13 000 Studenten erwartet die Universität Bayreuth für das Wintersemester 2016/ 17, das am Montag beginnt. Das sind rund 400 weniger als im vergangenen Jahr, "aber deshalb müssen wir uns keine Sorgen machen", findet Universitätspräsident Stefan Leible. "Wir streben kein quantitatives Wachstum an, sondern ein qualitatives", so Leible auf einer Pressekonferenz. Deshalb werde die Universität Bayreuth auch nicht an den Zulassungsbeschränkungen rütteln, nur um die Studierendenzahl zu erhöhen - "Wir wollen uns nicht durch Zahlen gesundkalkulieren. Was bringt uns das, wenn die den Studiengang nicht schaffen und wir dann ein paar Semester später einen Schwund haben?", fragt Kanzler Markus Zanner rhetorisch. Um eine hohe Qualität zu sichern, will die Universitätsleitung deshalb auch weiterhin an den Einstellungstests für bestimmte Studiengänge festhalten, die laut Zanner "sehr aufwendig und sehr wichtig" sind, weil sie die Abbrecherquote senkten.




Schülerstudium ausbauen

Qualitative Maßstäbe will die Universität auch weiterhin mit dem Schülerstudium setzen. Das Konzept gibt es nur zweimal in Bayern: Begabte Schüler aus den Bayreuther Gymnasien besuchen zwei Mal die Woche eine Universitätsvorlesung in den Fächern Informatik, Biologie, Jura, Chemie, Physik, Anglistik, Afrikanistik, Mathematik oder Theater und Medien. 28 Schüler werden im Wintersemester 2016 dieses Angebot annehmen (im vergangenen Jahr waren es 24). "Damit wollen wir den guten Schülern in Bayreuth auch vermitteln: Ihr braucht nicht nach Würzburg oder München zu gehen, ihr könnt auch in Bayreuth studieren", so Martin Huber, Vizepräsident für Lehre und Studierende. Laut Huber sei die Qualitätssicherung wichtig, weil immer mehr Schüler ein Abitur machen: "Man muss sich damit abfinden, dass das nicht mehr alles Elite-Studenten werden". Um fehlende Kenntnisse etwa in Mathematik auszugleichen, bietet die Universität Bayreuth deshalb auch Aufbaukurse in den Semesterferien an.


Bayreuth international

Zum Wintersemester werden auch 800 Studierende aus dem Ausland an der Bayreuther Uni lernen. Der mit Abstand größte Teil der Gaststudenten kommt aus China (etwa 28 Prozent).


Herkunft der Studierenden
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Das liegt an den vielfältigen Austauschprogrammen, die die Universität Bayreuth mit China pflegt. In der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao können chinesische Studenten nach dem Bachelor in Germanistik ihren Master in Bayreuth absolvieren. An einer Universität in Shanghai können die Studierenden einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Deutsch machen; die erfolgreichsten zehn Prozent können dann in Bayreuth ihren BWL-Master machen. Seit dem Wintersemester vergangenen Jahres gibt es zudem für Bayreuther wie Pekinger Studenten die Möglichkeit, einen Doppelabschluss in BWL zu machen. Im kommenden Wintersemester werden sieben Studierende aus Bayreuth und sechs aus Peking das Angebot nutzen.


Erster Geflüchteter beginnt Studium an der Universität

Nasser Alshikh wird als erster geflüchteter Syrer im kommenden Wintersemester in Bayreuth studieren. Vor zwei Jahren kam er nach Deutschland - zunächst in eine Unterkunft in Eckersdorf. Dann besuchte er den Deutsch- und Integrationskurs an der Universität Bayreuth. Sein Asylantrag wurde mittlerweile bewilligt und er wohnt in Bayreuth. Am Montag (17. Oktober) beginnt er mit dem Studium der Medienkultur und -wirtschaft; zuvor hatte er in Damaskus Politikwissenschaften studiert.

"Zehn weitere Geflüchtete sind mittlerweile auf dem Weg, bald ein Studium beginnen zu können", sagt Karin Birkner, die Frauen- und Integrationsbeauftragte der Bayreuther Universität. Es sei nur noch schwierig wegen der Anerkennung, so Birkner weiter. Neben kostenfreien Sprachkursen und "Buddy-Partnerschaften", bei denen Studierende Flüchtlinge im Alltag auf dem Campus begleiten, wird die Universität nun auch Crash-Kurse für "Deutsch als Zweitsprache" anbieten, um Lehrer auf die Flüchtlinge im Unterricht vorzubereiten. "Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, wenn plötzlich Schüler in der Klasse sind, die wenig oder kein Englisch sprechen und teilweise sogar nur Arabisch schreiben können", sagt Birkner. Zudem benötige auch die Universität mehr Deutschlehrer für die ausgelasteten Kurse.


Neue Studiengänge

Neben dem Crash-Kurs werden auch vier weitere neue Studiengänge angeboten: Bachelor in Interkultureller Germanistik, Master in Soziologie, Master in Sporttechnologie (Kombination aus Sport- und Materialwissenschaft), Master in African Verbal and Visual Arts (auf englisch) sowie der Studiengang "History and Economics" (Kombination aus Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften; auf englisch). Noch sind die Studierendenzahlen für die neuen Studiengänge niedrig, aber das sei normal, meint Kanzler Markus Zanner. "Wir erleben gerade einen Boom in den Studiengängen, die wir im vergangenen Jahr eingeführt haben; vor allem in den Computerspielwissenschaften. Es dauert einfach eine Zeit lang, bis sich neue Studiengänge etablieren", erklärt Zanner.


Fairtrade Universität und Green Campus


Was sich schon etabliert hat, sind die Bemühungen der Universität Bayreuth um fairen Handel und Nachhaltigkeit: Im Juli diesen Jahres wurde sie als erste Universität Bayerns zur Fairtrade-University ernannt. Zum Beispiel, weil sie Ökostrom verwendet und ein breites Angebot an veganen Gerichten und Fairtrade Kaffee in der Mensa hat. Zudem werden einige Wiesen auf dem Capus wild belassen, um die biologische Vielfalt zu erhalten (vor allem für Bienen und andere Bestäuber sind wilde Pflanzen wichtig). Die Bemühungen sollen laut Universitätsleitung in den kommenden Jahren noch weitergehen: Das Angebot an E-Carsharing-soll etwa erweitert werden, in dem die Studentencard 2017 mit etablierten Sharing-Diensten wie Flinkster gekoppelt wird.


Bevorstehende Veranstaltungen

Zum Semesterbeginn bietet die Universität wieder eine Reihe von akademischen Veranstaltungen für die Studenten an. Eine Auswahl.

Stadtgespräch: "Mikroplastik in aquatischen Ökosystem - unsichtbare Gefahr?". Ein Vortrag von Christian Laforsch, Inhaber des Lehrstuhls für Tierökologie. Am 2. November um 18 Uhr im Iwalewahaus.

Akademische Jahresfeier: Festredner Michael Lerchenberg setzt sich mit seinem Programm "Bidschi, Badschi, Bachelor" kritisch mit den neuen Studienabschlüssen auseinander. Am 17. November um 17 Uhr im Audimax.

Schauvorlesung der Materialwissenschaften: "Da wird's wortwörtlich krachen", verspricht Universitätspräsident Stefan Leible. Am 18. November um 18. 30 Uhr im Hörsaal H32 im Gebäude FAN B.