Mittwoch, 28. Dezember 2016 11:15

"Raubein" erhält Fairplay-Preis - Donndorfer Fußballer für selbstlose Aktion ausgezeichnet

Weil er trotz 0:1 Rückstand einen Elfmeter nicht annahm, wurde Martin Zeitler vom TSV Donndorf-Eckersdorf mit dem Fairplay-Preis des DFB ausgezeichnet.
Martin Zeitler hält einen Fußball hoch. Der Spieler des TSV Donndorf-Eckersdorf wurde vom Deutschen Fußballbund (DFB) mit der Fairness-Medaille ausgezeichnet. Foto: Markus Klein

von MARKUS KLEIN
Donndorf - Ein hoher Ball fliegt in den "Sechzehner". Stürmer Martin Zeitler vom TSV Donndorf-Eckersdorf rennt durch die Verteidigung und nimmt den Ball mit der Brust an. Es läuft die 86. Spielminute. Donndorf liegt 0:1 gegen den SV Weidenberg zurück. Beide Mannschaften sind punktgleich in der Tabelle und kämpfen um den dritten Platz in der Kreisklasse 5 Bayreuth. Es könnte die letzte Chance für einen Ausgleich sein.

"Im Augenwinkel konnte ich sehen, dass der Verteidiger mich eigentlich nur noch umrennen kann", erzählt Zeitler. Also geht er in die Knie, aber der Gegenspieler berührt ihn nicht. Zeitler fällt - und richtet sich "noch im Fallen" wieder auf, wie er erzählt. Der Schiedsrichter pfeift. "Ich dachte, jetzt kriege ich eine Gelbe Karte wegen der Schwalbe", sagt der 30 Jahre alte Lehrer aus Bayreuth. "Aber der Schiri hat auf den Elfmeterpunkt gezeigt."

Es wird laut auf dem Hartplatz in Donndorf. Die Weidenberger Spieler laufen auf den Schiedsrichter zu, es wird geschimpft und diskutiert, zwei Weidenberger bekommen eine Gelbe Karte fürs Meckern. Auch die SV-Fans auf den Rängen beschweren sich lautstark über die Entscheidung. In Martin Zeitlers Kopf rattert es. "Ich habe hin und her überlegt. Im Endeffekt hat es sich aber einfach nicht richtig angefühlt", sagt er. Also geht er wieder zurück und sagt zum Schiedsrichter, dass es kein Elfmeter gewesen sei. Der Schiedsrichter nimmt seine Entscheidung zurück. Die restlichen Minuten verrinnen, ohne dass sich am Ergebnis noch etwas ändert. Der TSV Donndorf-Eckersdorf verliert mit 0:1.

Für Martin Zeitler war es eine schwierige Entscheidung: "Wenn wir jetzt 0:4 hinten gelegen wären, hätte es jeder gemacht, klar", meint Zeitler. Aber so war der Elfmeter die letzte Chance zum Ausgleich.


Der DFB wird aufmerksam


Zeitler habe sich gewundert, dass neben dem gegnerischen Team auch der eigene Trainer und seine Mitspieler ihn für seine Entscheidung lobten. Die Anerkennung ging sogar darüber hinaus. Der Trainer des SV Weidenberg meldete die Aktion unserem Partnerportal "Anpfiff", das sogleich berichtete. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird auf den Artikel aufmerksam und zeichnet den Spieler mit einer Fairplay-Urkunde aus.

Bei der Weihnachtsfeier des TSV Donndorf-Eckersdorf überraschte nun ein Vertreter des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) Zeitler mit der von DFB-Präsident Reinhard Grindel unterschriebenen Urkunde, einem Bundesliga-Fußball, einem "Fair Play-T-Shirt" und zwei VIP-Karten für das Deutsche Fußballmuseum.
Nach jeder Saison küren die 21 Landesverbände ihren Fairplay-Jahressieger. Diese sind gleichzeitig auch für den Wettbewerb auf Bundesebene nominiert. Der Bundessieger wird anschließend durch eine DFB-Jury ausgewählt und mit der "Fairplay-Medaille" ausgezeichnet (hier geht es zu den Siegern der vergangenen Saisons).

"Dass die Aktion so weite Kreise zieht, hätte ich mir in diesem Moment niemals gedacht", sagt Martin Zeitler. Die Ehrung freue ihn zwar sehr, wecke aber auch Befürchtungen in ihm: "Jetzt wird es bei jedem Einwurf heißen: ,Komm schon Mr. Fairplay, nimm's zurück!´ Ich kenne ja die Kollegen."

Kollegialen Spott erwarte er auch deshalb, weil er in der Liga nach eigener Aussage auch als "Raubein" gilt. Ein gegnerischer Trainer hatte ihn dafür schon einmal lautstark beschimpft. Martin Zeitler gibt freimütig zu: "Ich habe in dieser Saison schon acht Gelbe Karten bekommen, und das als Stürmer. Und keine davon wegen Meckern..."


Auf's Gefühl hören


Würde er es wieder tun? Einen Elfmeter kurz vor Schluss in einem knappen Spiel wieder herschenken? "Es widerspricht dem Fairplay-Gedanken, wenn ich jetzt Nein sage", meint Zeitler und lacht. Die gegnerischen Spieler hätten sich hinterher zwar bei ihm bedankt. Gleichzeitig hätten sie aber zugegeben, dass sie wohl den Elfmeter nicht abgelehnet hätten. Aber in diesem Moment habe er einfach auf sein Gefühl gehört und "die Fairness ein bisschen hochgehalten". Eine Einstellung, die auch so manchem Profi-Fußballer gut zu Gesicht stehen würde.