Mittwoch, 18. Januar 2017 11:05

"Kein Schnellschuss" - Polizei Oberfranken jetzt bei Facebook und Twitter

Als letztes Präsidium in Bayern nutzt nun auch die Polizei Oberfranken die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter.
Es ist angerichtet: Die Polizei Oberfranken holt sich ihr Stück Kuchen von den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook. Von links Polizeipräsident Reinhard Kunkel und sein Vize Udo Skrzpczak. Rechts geht Bernd Elzinger dem Vizepräsidenten zur Hand. Er ist einer der beiden neuen Social-Media Experten der Polizei. Die Kuchen hat die Schwester des anderen ExpertenHeiko Mattke, gebacken. Foto: Markus Klein

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Die Lücke ist geschlossen: Als letzte Direktion in Bayern geht nun auch die Polizei Oberfranken in die sozialen Netzwerke. Sie ist nun auf den Kanälen Facebook und Twitter vertreten. Zu diesem Anlass gab die oberfränkische Polizei am Mittwoch (18. Januar) eine Pressekonferenz in der Direktion in Bayreuth.


"Das kann schnell nach hinten losgehen"

Warum die Oberfranken dafür mehr Zeit gberaucht haben, erklärt Polizeipräsident Reinhard Kunkel: "Ein solcher Schritt benötigt personelle und technische Ressourcen", sagt er. In dieser Hinsicht seien die Kollegen in Unter- und Mittelfranken einfach besser ausgestattet gewesen. Die oberfränkische Polizei habe erst Fachleute gewinnen und die nötigen Einrichtungen schaffen müssen. Im Herbst vergangenen Jahres wurde das Personal dann geschult und ein Konzept erarbeitet.

Man habe professionell vorgehen wollen, "ich wollte keinen Schnellschuss zum Jahreswechsel", sagt Kunkel. Gerade die zumindest fragwürdige Twitter-Meldung der Kölner Polizei in der Silvesternacht hätten das Vorgehen gerechtfertigt, so der Polizeipräsident. "Solche Erfahrungen will man nicht machen. Ein überhasteter Auftritt kann schnell nach hinten losgehen. Das Netz vergisst nicht. So etwas ist ein erheblicher Image-Schaden."

Um solchen Schäden vorzubeugen, wird nicht jeder Polizist frei auf die Kanäle zugreifen können. Die Admnistration ist sechs Mitarbeitern vorbehalten. Neben den vier Pressesprechern der oberfränkischen Polizei sind zwei neue Stellen für Social-Media hinzugekommen. Dafür ausgewählt wurden die Hauptkommissare Heiko Mattke und Bernd Elzinger.


Die neuen Experten

Die haben sich Anfang Oktober zusammen mit rund hundert anderen Beamten auf die ausgeschriebenen Stellen beworben. "In einem Auswahlgespräch wurden wir dann auf Herz und Nieren überprüft", so Elzinger. Ausschlaggebend für die Übernahme waren laut Elzinger, dass die Polizisten langjährige Erfahrungen in sozialen Medien wie auch in der Polizei vorweisen konnten. Zudem sollten sie kreativ und aufgeschlossen sein. Private Facebook-Accounts waren ebenso Voraussetzung wie Erfahrungen in mehreren Dienststellen, um mit den Abläufen vertraut zu sein. So war Mattke zuvor unter anderem bei der Verkehrspolizei in Hof, Elzinger unter anderem bei der Inspektion Bayreuth-Land. Beide hospitierten nach der erfolgreichen Bewerbung bei den Kollegen in Unter- und Mittelfranken und ließen sich vom oberfränkischen Presseteam in Öffentlichkeitsarbeit, Urheber- und Persönlichkeitsrecht schulen. Umgekehrt brachten Elzinger und Mattke den Kollegen den Umgang mit sozialen Medien bei.


Einführungsvideo zum Start

Als erste Aktion veröffentlichte die oberfränkische Polizei ein Image-Video auf ihrem Facebook-Kanal. In modernen raschen Schnitten sind unter anderem Polizisten in Streifenfahrzeugen, auf Motorrädern und Booten zu sehen, sowie typische oberfränkische Sehenswürdigkeiten wie das Bayreuther Festspielhaus, die Kulmbacher Plassenburg und die Bamberger Altstadt. Zwischendurch auch Bilder einer Polizisten bei Dienstbeginn und -ende. Dazu läuft Techno-Musik. Die Orientierung an einer jungen Zielgruppe ist deutlich.



Entsprechend sollen auf Facebook laut Vizepräsident Udo Skrzypczak auch "Kuriositäten mit Unterhaltungswert" veröffentlicht werden.


"Die Informationsweitergabe ist ein Kerngeschäft der Polizei"

Vor allem sei die Nutzung der Dienste aber für Informationen und Dialoge mit den Bürgern gedacht. "Die Informationsweitergabe ist ein Kerngeschäft der Polizei", sagt Präsident Kunkel. Mit den sozialen Netzwerken möchte er die Zielgruppe der 16 bis 45 Jahre alten Bürger erreichen, "die sich hauptsächlich dort informieren", so Kunkel. Vor Gefahren zu warnen und auf die Polizeiarbeit in der Region aufmerksam zu machen, werde deshalb einen großen Bereich des Facebook-Auftritts einnehmen. Twitter werde aufgrund der beschränkten Zeichenzahl hauptsächlich genutzt, um etwa aktuelle Verhaltenshinweise zu übermitteln, zum Beispiel bei Großveranstaltungen wie dem "Weltkulturerbelauf" in Bamberg. Auch sollen die Kanäle künfitg schnellstmöglich "Fake-News" (Falschmeldungen) berichtigen und entkräften, sagt Kunkel.

Das Potential der sozialen Netzwerke habe sich laut Vizepräsident Skrzypczak vor allem beim Amoklauf in München im vergangenen Jahr gezeigt. An jenem 22. Juli 2016 hatte die bayerische Polizei die sozialen Netzwerke erstmals dafür genutzt, "durch taktische Maßnahmen gefährdete Bürger zu lenken, sie zu warnen und gleichzeitig Falschmeldungen entgegen zu greifen", so Skrzypczak.


Keine Online-Wache

Die Online-Auftritte könnten aber bewährte Systeme des Dialogs nicht ersetzen, etwa die Notrufnummer 110. "Ein verschwurbelter Text bringt da nichts. Da ist das direkte Gespräch mit der Notrufzentrale nötig, die auch direkt nachfragen kann", sagt Kunkel. Deshalb können über die Facebook- und Twitter-Seite auch keine Notrufe angenommen, Anzeigen erstattet und Hinweise entgegen genommen werden.

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