Samstag, 15. April 2017 16:03

"Ich geh auch Feiern, wenn ich frei habe" - Interview mit Gabriel Bajcic von "King Kong Kicks"

Das DJ-Kollektiv "King Kong Kicks" kommt zur großen Bayreuther Partynacht am Ostersonntag. Ein Interview (mit Musik).
Gabriel Bajcic (links) und Christian Vorbau von "King Kong Kicks". Foto: Gabriel Bajcic.

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Warum ein Club, wenn man alle haben kann? Das DJ-Kollektiv "King Kong Kicks" aus Berlin und Wuppertal bespielt mit der gleichnamigen Partyreihe und ihrem Indie-Electro-Sound seit etwa neun Jahren die deutsche Clubszene. Mittlerweile haben sie mehr als 15 Auftritte im Monat, legen auf den größten Indie-Festivals auf und können vom Tourleben leben. Der Rockstar-Traum? "Man muss dafür gemacht sein", meint Gabriel Bajcic, DJ und Organisator der Gruppe.

Zur großen Bayreuther Partynacht verschlägt es die King Kongs nach Bayreuth, ins Lamperium. Für die DJs ein 24-Stunden-Job. Aber wenn "Job" Partymachen heißt, macht Bajcic nichts lieber. Im Interview mit Bayreuth inFranken spricht Bajcic über seine Leidenschaft, seine Pläne, Musik, Bayreuth und Vieles mehr. Außerdem hat er ein paar Lied-Tipps für den Frühling dabei.

Bayreuth inFranken: Ihr spielt über 15 Auftritte im Monat und noch dazu auf Festivals. Ihr kommt viel rum. Genießt ihr das Tourleben, oder freut ihr euch auch manchmal, einfach wieder nach Hause zu fahren?

Gabriel Bajcic: Nee. Ich bin gerne unterwegs. Das muss man bei so einem Job auch mitbringen - die Leidenschaft fürs Feiern und Reisen. Weil das ist schon anstrengend. Von hier aus nach Bayreuth zu fahren, dauert mit dem Zug etwa sechs Stunden. Das heißt für uns: hin fahren, die ganze Nacht Feiern, mit dem Zug wieder zurück. Da ist man schon 24 Stunden unterwegs. Das geht nicht ohne Leidenschaft.



Was reizt dich an diesem Leben?

Ich feiere total gerne. Selbst wenn ich einen Tag frei habe und nicht mit King Kong unterwegs bin, gehe ich feiern. Man muss einfach eine Leidenschaft haben für Musik und für Menschen; offen sein, neue Leute und Orte kennenzulernen. Keiner macht das nur für die Kohle. Jeder DJ macht das aus einer Leidenschaft heraus, sonst funktioniert das nicht auf Dauer.

Gab es ein besonderes Erlebnis, von dem du erzählen willst?

Puh, da müsste ich überlegen. Im Prinzip passiert jedes Wochenende irgendwas Spannendes und Lustiges. Letzten Samstag in Kiel zum Beispiel. Da war ich total betrunken und hab irgendwann den Barmann gespielt und selbst kreierte Drinks ausgeschenkt. Und das war nur letzten Samstag. Irgendwas passiert immer. Das macht den Reiz aus. Und wenn man dann Leute kennen lernt und locker mit denen umgehen kann, hört und erlebt man viele spannende Geschichten. Es ist einfach inspirierend, immer mit jungen Leuten abzuhängen.

Kennst du Bayreuth schon? Habt ihr hier schon gespielt?

Ich selbst nicht, aber die Kollegen haben einmal in der Suite [Oktober 2016] und im Glashaus[Februar 2017] gespielt. Die Partys waren auch richtig gut, was ich gehört habe. Da kommen wir gerne wieder.

Gibt es irgendein Festival oder einen Club, wo ihr unbedingt mal spielen wollt?

Da müsste man dann schon international denken. Wir sind schon jedes Jahr beim Melt [bei Leipzig], beim MS Dockville [Hamburg] und beimKosmonaut[bei Chemnitz]. Damit spielen wir schon auf den größeren Indie-Festivals. Mir fällt gerade nichts ein, wir sind eigentlich sehr zufrieden. Hm, gibt es irgendeinen Club, in dem ich... Was? Wie heißt der? [spricht mit Christian Vorbau, dem "Kopf" der Gruppe] Im Razzmatazz in Barcelona würde der Christian gerne mal spielen. Keine Ahnung, musste dann später mal googeln.




Habt ihr feste Sets, oder passt ihr euch dem Club an?

Es gibt immer ein paar Key-Tracks, die sollten auf jeden Fall laufen. Aber es gibt zum Beispiel Clubs, die sind rockiger geprägt. Da ist dann der Anteil von älterem Rock und Gitarrenrock höher. Und es gibt Läden, die ein bisschen technoider, elektronischer geprägt sind; da ist dann auch das King Kong Set entsprechend elektronischer und poppiger. Es gibt einfach eine musikalische Bandbreite, die für King Kong steht. Manchmal ist es ein bisschen in die eine Richtung, manchmal in die andere, manchmal in der Mitte.




Wie seid ihr musikalisch geprägt worden?

So mit 12 Jahren habe ich angefangen Skateboard zu fahren und Skate-Punk zu hören. Dann hatte ich zwischenzeitlich mal eine Hip-Hop-Phase, bin aber wieder zum Punk zurück. So um die Abi-Zeit habe ich auch mal Hardcore-Metal gehört. Danach bin ich in den Indie abgerutscht, und den Post-Punk. Da habe ich mich sehr wohl gefühlt und hatte noch die Verbindung zum Skaten. Und wie sich der Indie entwickelt hat, habe ich mich im Prinzip mit entwickelt. Also als der Indie poppiger und elektronischer wurde, hat sich mein Sound im Prinzip genauso entwickelt. Bei den Anderen weiß ich das nicht so genau. Die meisten kamen aus der Electro-Richtung und wurden dann etwas poppiger.


Wie viele und wie alt seid ihr denn eigentlich?

Wir sind zu sechst. Der Gründer, Christian Vorbau, ist der King Kong Kopf. Ich bin seine rechte Hand, obwohl er Linkshänder ist... Und dann haben wir noch vier freie DJs, die für King Kong Kicks auflegen. Wenn alle Zeit haben, können wir also sechs King Kongs auf einer Party haben. Wir sind zwischen Mitte 20 und Ende 30 Jahre alt.

Seid ihr auch Freunde?

Klar sind wir befreundet. Da steckt auch viel Vertrauen dahinter. Wenn man einem DJ die Marke King Kong mitgibt, dann muss er die auch vertreten. Bei uns ist das alles sehr locker organisiert und wir haben sehr niedrige Hierarchien. Und das funktioniert auch, glaube ich, nur so. Im Prinzip ist es nicht viel anders wie bei einer Agentur, die DJs verleiht. Nur dass wir sehr viel enger zusammenarbeiten und auch nur für eine Marke spielen.

Soll das Tourleben so weiter gehen, oder wollt ihr doch irgendwann mal einen Club betreiben?

Die Überlegungen gab es zwischendurch immer wieder, uns wurden auch Clubs angeboten. Da sagen wir nicht pauschal "nein" und schauen uns das schon an. Aber so, wie wir das jetzt machen, holen wir uns eigentlich das Beste raus. Wir können uns voll auf die Veranstaltung konzentrieren, kommen entsprechend viel rum und müssen uns nicht um Gastro kümmern, um Barpersonal, um Türsteher... Das obliegt dann alles dem Club. Wir kommen nur rein, machen Party und bringen gute Laune mit. Ein eigener Club hat für uns gar nicht so den Reiz. Da wäre man ja die ganze Zeit nur in einer Stadt.


Hast du noch ein paar Liedtipps für den Frühling?

Klar. Meine meine aktuelle Top 5:

- Amy Shark - "Weekends"
- Bilderbuch - "Baba"
- Alt-J - "In Cold Blood"



- Moglii - "Breath"
- Satellite Stories - "Confetti"

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