Mittwoch, 22. Februar 2017 16:28

Gemeinschaft auf Eis - EHC stimmt für Kooperationsvertrag mit GmbH

Der Bayreuther Eishockey-Verein "Die Tigers" hat sich auf die Trennung von Profimannschaft und Nachwuchsarbeit geeinigt.
Von links: Matthias Wendel, Exvorstand und künftiger Hauptgesellschafter der Spielbetriebs-GmbH, Don Langlois, erster Vorstand und Karin Pross, zweiter Vorstand des Vereins.  Foto: Markus Klein

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Innerhalb von zehn Jahren schaffte es der Bayreuther Eishockey-Verein EHC "Die Tigers" von der Bezirksliga in die DEL2, in der sich die Mannschaft recht stabil hält. Eigentlich ein Grund zur Freude.


Professionelle Zukunft

"Nun ist es an der Zeit, die Zukunft professioneller anzugehen", sagt Dietmar Habnitt. Er ist sportlicher Leiter des Vereins und Ex-Torwart. Er hat die komplette Erfolgsgeschichte miterlebt. Auf der Hauptversammlung am Dienstag im Herzogkeller trat er für den Kooperationsvertrag und damit für die Gründung einer Spielbetriebs-GmbH ein. Künftig wird die GmbH das Profigeschäft leiten, der Verein die Nachwuchsarbeit. Habnitts Worte hatten Gewicht unter den polarisierten Mitgliedern, denn als einer der wenigen Redner auf der Versammlung genießt er den Respekt aller Seiten.


GmbH klar, Personal umstritten

Am Ende des Abends stimmten trotz hitziger Debatten und offener Fragen 132 Vereinsmitglieder für den Kooperationsvertrag. Zehn Mitglieder stimmten dagegen, sechs enthielten sich. Damit übernimmt die GmbH ab 1. Mai die Profiabteilung. Die Nachwuchsarbeit bleibt dem Verein überlassen. Der Kooperationsvertrag gilt für fünf Jahre.

Dass die Spielbetriebs-GmbH nötig sei, um die Zweitligalizenz dauerhaft zu halten, bezweifelte an diesem Abend niemand. Denn einer GmbH stehen bei finanziellen Problemen mehr Lösungswege offen, unter anderem wegen des Stammkapitals. Nicht einmal ein erboster Fan bezweifelte das, als er sagte: "Lieber zehn Jahre Bezirksliga als ein Jahr mit den Wendels."

Die Hälfte des Saales pfiff den Mann aus, dennoch zeigt sich in dem Satz der Kern der Streitigkeiten: Es geht neben inhaltlichen Fragen auch um persönliche Differenzen. Einerseits ist das Ehepaar Wendel vor allem bei den Fans umstritten; etwa schickte Margit Wendel einmal Mitglieder eines Fanclubs aus dem Stadion. An Matthias Wendel kritisierten mehrere Mitarbeiter, dass er Entscheidungen teils ohne Absprache mit Mitverantwortlichen treffe. "Wir waren quasi Außenstehende und wurden vor vollendete Tatsachen gestellt", sagte etwa Langlois über den Kooperationsvertrag. Andererseits investierten die Wendels viel in den Verein - und haben das auch in Zukunft vor: 120 000 Euro wollen sie in die GmbH einbringen. Zusätzlich habe Matthias Wendel nach eigenen Worten bereits 300 000 Euro von Sponsoren zugesagt bekommen. "Unter der Bedingung, dass wir die GmbH leiten", sagt er.

Wegen internen Streitigkeiten trat Wendel erst Anfang November vergangenen Jahres als Vorsitzender zurück. Don Langlois übernahm einen Monat später.


Aufeinander zubewegen

Damit trat er keine leichte Aufgabe an: Der Verein hatte offene Forderungen durchzusetzen und offene Rechnungen zu bezahlen. Mit unzähligen Überstunden habe er den Verein über Wasser gehalten, "mit stetiger Sorge", räumt er ein. Bereits zu Beginn der Versammlung bat er deshalb die Mitglieder, alte Streitereien beiseite zu legen und positiv in die Zukunft zu blicken. "Unsere Mannschaft hat nicht die teuersten Spieler. Wir haben Erfolg, weil die Zusammenarbeit auf dem Eis vorbildlich funktioniert. Außerhalb ist das leider nicht so. Das macht mich traurig", sagte er.

Den ersten Entwurf des Vertrages bekam er Ende Januar vorgelegt. "In kurzer Zeit haben sich beide Seiten aufeinander zubewegt", sagt Vereinsanwalt Clauspeter Voß. Der Anwalt trat unter anderem dafür ein, dass die GmbH die Lizenz nicht an Dritte veräußern dürfe, was eine Sicherheit für den Verein darstelle. An vielen Stellen gab es Kompromisse. Etwa kalkulierte Langlois die Kosten für die Nachwuchsarbeit höher ein, als die GmbH zu unterstützen bereit ist. Unter anderem weil der Jugendtrainer künftig für zwölf anstelle von vormals acht Monaten angestellt wird, ergäben sich höhere Kosten.

"Wenn Probleme auftreten lässt der Vertrag Raum für Gespräche", sagt Anwalt Voß diplomatisch. "Wir gehen nicht davon aus, dass die GmbH den Verein hängen lässt." Ungeklärt ist unter anderem, welche Prämie an den Verein gehe, wenn ein Nachwuchsspieler in die Profimannschaft wechsle, oder wie oft Profispieler das Nachwuchstraining unterstützen. Nachträge seien laut Voß aber jederzeit möglich. Wichtig sei hier die Gesprächsbereitschaft. Der Kooperationsvertrag ist auf der Homepage des EHC einsehbar.