Donnerstag, 20. April 2017 14:45

"Abschiebung nach Afghanistan ist ein Verstoß gegen die Menschlichkeit"

Der "Arbeitskreis evangelische Erneuerung" hat sich am Donnerstag in Bayreuth gegen Abschiebungen nach Afghanistan und für das Kirchenasyl ausgesprochen.
Demonstration gegen die Abschiebung nach Afghanistan in Bayreuth (im Februar 2017). Foto: Julius Schien

Bayreuth - Der bayerische Arbeitskreis Evangelische Erneuerung (AEE) hat die Abschiebung von Geflüchteten aus Afghanistan als "Verstoß gegen die Menschlichkeit" verurteilt. Der AEE protestiere "gegen Deportation von Menschen, die seit Jahren hier leben und arbeiten, gegen den Entzug von Arbeitsgenehmigungen, gegen die Kürzungen von Leistungen, gegen die Rechnungsstellung an Geflüchtete für ihre Abschiebung und gegen die Sperre für Wiedereinreise", heißt es in einer Resolution, die am Donnerstag (20. April) in Bayreuth veröffentlicht wurde. Afghanistan sei derzeit "weit davon entfernt, als Land zu gelten, das Sicherheit an Leib und Leben für die dort Lebenden garantieren kann".



Der Arbeitskreis ermutigte Kirchengemeinden und klösterliche Gemeinschaften, allen von Abschiebung nach Afghanistan bedrohten Flüchtlingen Kirchenasyl zu gewähren. "Aus Sicht des AEE brauchen Menschen, die sich in ein Kirchenasyl geflüchtet haben, eine Perspektive zur erneuten Überprüfung ihres Falles." Zugleich rief der AEE kirchliche Gemeinden und Dekanate auf, lokale Initiativen wie etwa die Mahnwachen in Bayreuth, Bamberg und Regensburg zu unterstützen und neue Mahnwachen in bayerischen Städten und Dörfern gegen die "unmenschlichen Flüge nach Kabul" einzurichten.


AEE beklagt "Einschüchterungspraxis in Ober- und Mittelfranken"



Mit der Resolution, die von den AEE-Sprechern Anne-Kathrin Kapp-Kleineidam (Bayreuth) und Hans-Willi Büttner (Fürth) unterzeichnet wurde, schaltete sich der Arbeitskreis in die seit Wochen anhaltende öffentliche Debatte um das Kirchenasyl und die Abschiebepraxis in Bayern ein. Beklagt werden in der Stellungnahme auch die jüngst bekannt gewordenen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Pfarrerinnen und Pfarrer, in deren Gemeinden Kirchenasyle gewährt worden sind. Kritisch vermerkt der AEE eine "Einschüchterungspraxis", die bei Ermittlungen überwiegend in Ober- und Mittelfranken beobachtet worden sei, während in weiten Teilen Bayerns das Kirchenasyl ohne Vorermittlungen geduldet werde.