Sonntag, 09. Juli 2017 16:52

"Es geht nicht nur um den Winter" - Ochsenkopf-Bahnen werden für 20 Millionen Euro erneuert

Der Zweckverband hat entschieden: Die Seilbahnen am Ochsenkopf (Landkreis Bayreuth) sollen für rund 20 Millionen Euro erneuert werden.
Mountainbiker auf dem Ochsenkopf im Fichtelgebirge (Landkreis Bayreuth). Die alten Seilbahnen von Oberwarmensteinach und von Bischofsgrün aus auf den Gipfel des Ochsenkopfs sollen erneuert werden. Die alten Zweier-Sessel sollen durch moderne Gondeln ersetzt werden. Das Projekt wird in etwa 20 Millionen Euro kosten. Der Zweckverband aus Landkreis Bayreuth und den Gemeinden hofft auf einen hohenFördersatz für das Projekt, sagt Landrat Hermann Hübner. Foto: Heiko Häseler/ Archiv

von MARKUS KLEIN
Bischofsgrün - Der Zweckverband aus dem Landkreis Bayreuth und den Fichtelgebirgs-Gemeinden hat Mitte vergangener Woche entschieden: Die Seilbahnen zum Ochsenkopf in Bischofsgrün und Oberwarmensteinach sollen nicht renoviert, sondern komplett erneuert werden. Statt der klapprigen Zweier-Sessel sollen künftig Gondeln die Touristen auf den Gipfel bringen; zum Skifahren, Wandern, Langlaufen und Mountainbiken.

Die Fördergespräche mit der Regierung von Oberfranken und dem Freistaat Bayern beginnen am Freitag (14. Juli). Landrat Hermann Hübner, der auch Vorsitzender der Tourismuszentrale Fichtelgebirge ist und sich von Anfang an für einen Neubau stark gemacht hat, sei zuversichtlich, dass die Verantwortlichen die zentrale Bedeutung des Ochsenkopfs für Tourismus in Nordbayern erkennen würden.


Wintersport ist nicht alles

Eine Millionen Übernachtungen von Urlaubsgästen zählt das Fichtelgebirge in etwa im Jahr. Die Zahl sei laut Hübner "nicht so stark vom Schnee abhängig, wie man denkt". Und das sei einer der Hauptgründe, warum er sich schon im Vorfeld für einen Neubau der Seilbahnen mit Gondeln statt Sesseln eingesetzt hat: "Es geht nicht vorrangig um den Wintersport, auch wenn es die Schlangen am Lift natürlich im Winter gibt. Denen geht es aber nur darum, schnell rauftransportiert zu werden. Für die wäre ein Sechser-Sechsellift besser. Aber der löst die anderen Probleme alle nicht: Barrierefreiheit, Familienfreundlichkeit, dass man auch Kleinkinder, Fahrräder, Gehhilfen und Kinderwägen mitnehmen kann.Das löst man eben mit der Gondelbahn."



In etwa 20 Millionen Euro soll der Neubau kosten. "Mit der Bahn selbst werden wir wahrscheinlich nie in die Schwarzen Zahlen kommen", meint Hübner. Die Seilbahn-Fahrten schwanken in den vergangenen zehn Jahren stark, je nach Sonnentagen im Sommer und Schneetagen im Winter. Im schlechtesten Jahr der letzten zehn Tage, im Jahr 2007, waren es 300 000 Fahrten. Im Jahr 2009, dem besten, waren es 560 000 Fahrten. Der Mittelwert der vergangenen zehn Jahre ist in etwa 450 000 Lift-Fahrten pro Jahr.

Zwar wurde der Fahrpreis kürzlich auf fünf Euro erhöht und man sei damit noch vergleichsweise günstig. "Aber viel Luft ist da nicht mehr nach oben", schätzt der Landrat. "Wir können die Preise gar nicht so gestalten, dass das auf Null rausgeht." Der Zweckverband müsse das eben stemmen, weil viele davon profitierten. "Das Fichtelgebirge hat einen Jahresumsatz aus dem Tourismus von über 400 Millionen Euro", sagt Hübner. Damit sei die Mittelgebirgsregion ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.


Hübner: "Auch die Landkreise Hof und Wunsiedel profitieren"

"Ich bin ich zuversichtlich, dass der Freistaat und die Ministerien das auch sehen und uns helfen. Wir brauchen auch einen ordentlichen Zuschuss-Satz, um die Restmittel stemmen zu können", so Hübner. Denn die Kredite für das Bauprojekt müssten in 20 Jahren auch abbezahlt werden können. Auch hier sei der Landrat zuversichtlich, weil er die vielen Potentiale der Region für Nordbayern sehe. Zusätzlich profitierten neben dem Landkreis Bayreuth vom Toursimus im Fichtelgebirge auch die Landkreise Hof und Wunsiedel, wenn sich künftig mehr Menschen für die Region als Urlaubsort entscheiden.

Wenn die Finanzierung steht, könnte eine Vergabe im Herbst des Jahres 2018 erfolgen, so dass im Frühjahr darauf der Bau starten könnte. Frühestens in der Wintersaison 2019/2020 könnten dann die ersten Fahrgäste in den Kabinen zum Gipfel fahren.

Gästebefragungen im Fichtelgebirge haben ergeben, dass die Touristen vor allem zum Wandern, Mountainbiken, Skifahren und Langlaufen kommen. "Das ist alles mit der Bahn verbunden", sagt Hübner. "Wir haben auch für die Langläufer, die in die höheren Gebiete wollen, dann auch mehr Möglichkeiten als die bisherige Sesselbahn, die nur am Gipfel hält." Es gäbe Überlegungen für eine Mittelstation. "Der Neubau ist also nicht nur ein Ersatz für das Bisherige. Wir wollen auch neue Kundenkreise", sagt Hübner.


Senioren und Kinder

Etwa die Senioren, die laut Hübner "schon noch etwas erleben wollen." Allerdings stiegen ältere Menschen ungern in die Sessellifte, hätten die Helfer vor Ort Hübner berichtet. Gondeln seien hier also praktischer, um auf den Gipfel des 1024 Meter hohen Berges zu gelangen. "Das ist eben kein Hochgebirge, sondern ein Erlebnisberg im Mittelgebirge. " So schweben ihm beispielsweise auch Kindergeburtstage auf dem Ochsenkopf vor, die mit der Gondel ermöglicht werden könnten.

Zur Finanzierung habe es bereits Vorgespräche mit Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz gegeben; vor allem im Vorfeld der Sitzung des bayerischen Kabinetts im oberfränkischen Kulmbach Ende Juni 2017. Da ging es auch viel um oberfränkische Themen. Neben dem wohl wichtigsten Punkt für die Region, dem Universitäts-Standort Kulmbach, "waren auch die Themen Tourismus-Infrastruktur für den Frankenwald, das Fichtelgebirge und für unsere Ochsenkopfregion auf der Prioritätenliste ganz oben", erzählt Hübner.

Gegner des Neubaus findet man derzeit nicht. Peter Ille, Leiter der Geschäftsstelle des Bayreuther Landkreises vom Bund Naturschutz, sieht auch eine große Bedeutung der Seilbahnen für die Ochsenkopfregion. Gebaut werden müsse ohnehin. "Anderseits würden wir uns schon für die konkreten Pläne interessieren, für eine Prüfung und eine gemeinsame, weitere Planung", so Ille.

Laut Hübner werde im August das Gutachten zur Infrastruktur und Prioritäten für das Fichtelgebirge vorgelegt. Da würden auch die Pläne konkreter. Die Fördergespräche werden bis in den Herbst dauern, schätzt Hübner.

Hübner selbst wohnt in Bindlach und gehe deshalb auch gerne ins Fichtelgebirge, im Sommer wie im Winter. Zum Wandern, Langlaufen, Skifahren und Mountainbiken.