Sonntag, 14. Mai 2017 11:15

"Das schweißt die Leute zusammen" - Interview mit Georg Oberst vom Bayreuther Weissbierfest

Am Wochenende findet zum 30. Mal das "Maisel's Weissbierfest" in Bayreuth statt. Zum 30. Mal organisiert es Georg Oberst. Ein Interview.
Georg Oberst, Veranstaltungsleiter des "Maisel's Weißbierfestes" in Bayreuth, vor dem Festzelt. Foto: Markus Klein

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Die Spider Murphy Gang, Status Quo, Guildo Horn, Wolfgang Ambros, Boney M, Uriah Heep, Kim Wilde: Georg Oberst hat schon viele Stars nach Bayreuth geholt, viele Musiker kommen und gehen sehen. Seit die Maisel Brauerei im Jahr 1987 ihr 100-jähriges Bestehen mit dem "Weissbierfest" feierte, ist Oberst für die Organisation des Festes zuständig. Aus einer überschaubaren Feier mit Bands aus der Region ist im Laufe der Jahre das größte Bierfest Nordbayerns mit Stars aus aller Welt geworden. Wie Oberst das erlebte, was seine persönlichen Highlights waren und wie es weitergehen soll, erzählt er im Interview.

Bayreuth inFranken: Was war Ihr persönliches Highlight auf dem Weissbierfest?

Georg Oberst: Das Höchste für mich waren "Status Quo" (im Jahr 2003). Das war der Wahnsinn! Die habe ich persönlich sehr gerne gehört. Und es war auch von den Besucherzahlen her das Highlight: Wir hatten mehrmals Einlassstopp. Auf "Nena" freue ich mich auch sehr, die Lieder sind einem ja vertraut. Ich kriege selbst leider wenig von der Musik mit, weil ich die Organisation mache. Aber man kann schon mal Lauschen. Am Anfang hatten wir nur bayerische Bands, seit dem Jahr 1995 kamen dann mit der Spider Murphy Gang die Weltstars nach Bayreuth.



Hat Sie das schnelle Wachstum überrascht?

Ja, teilweise konnten wir keine Besucher mehr rein lassen. Deswegen haben wir die Fläche vergrößert. Jedes Jahr sitzen wir zusammen und überlegen, wen wir holen können und wollen, was möglich ist. Das Problem ist, dass wir recht bald dran sind. Mitte Mai sind viele Künstler noch nicht auf Touren eingestellt. Aber wir finden immer eine Überraschung für unsere Gäste.

Was fasziniert Sie an der Organisation?

Einerseits muss es einer machen (lacht). Andererseits freue ich mich nach dem Fest schon wieder aufs Nächste. Besonders gefällt mir der Zusammenhalt der Mitarbeiter. Wenn man zuschaut, wie nachts jeder einen Besen in die Hand nimmt und kehrt, egal welche Position er hat, dann ist das sehr schön. Man kann sich auf alle verlassen. Und das Fest schweißt die Leute zusammen: Brautechniker, Büroangestellte, Logistik, da sind alle dabei, lernen sich kennen, trinken miteinander ein Bier, räumen miteinander auf... und trinken nach dem Aufräumen noch mal eins. Das ist einfach schön, weil man im Alltagsgeschäft nicht viel miteinander zu tun hat, aber beim Fest die Gelegenheit bekommt, sich kennen zu lernen. Wir haben pro Tag 120 Helfer auf dem Gelände, die sich um den Ausschank und allem, was dazu gehört, kümmern. Die Speisen überlassen wir anderen. Wir können Bier.

Die Bamberg Sandkerwa kann heuer vielleicht nicht stattfinden. Ein Grund dafür sind erhöhte Sicherheitsauflagen. Wie sieht es beim Weissbierfest aus? Sind die Ausgaben für Sicherheit gestiegen?

Nein, da hat sich nichts erhöht. Und die Zusammenarbeit mit den Sicherheitskräften und der Stadt Bayreuth klappt super. Da muss ich auch ein Lob an die Stadt aussprechen. Wir haben uns gut eingespielt, wir sind gut vorbereitet. Eine Änderung haben wir: Heuer haben wir nur noch einen Eingang, in der Hindenburgstraße. Der Anfahrtsweg vom Herzogkeller wird frei gehalten, auch aus Sicherheitsgründen. Ein weiterer Vorteil davon ist, dass wir da am Sonntag unsere Spielstraße schon früher aufmachen können. Bis jetzt war es immer so, dass der "FunRun" dort eingelaufen ist. Und bisher standen die Kinder bis 15 Uhr da und hatten keine Unterhaltung. Die Kinderläufe waren ja gegen elf Uhr fertig. Jetzt können wir für die Kinder dann direkt was bieten. Und die Eltern können entspannt ein Weißbier trinken.

Was hat sich über die Jahrzehnte erhalten?

Das Speisen- und Getränkeangebot mehr oder weniger: Brezen, Bratwürste und Steaks gibt es von Anfang an. Neu haben wir heuer zwei Food-Trucks auf dem Gelände. Beim ersten Mal hatten wir noch alle Biere im Angebot, aber ab 1988 haben wir gesagt: Wir machen nur Weißbier! Seitdem haben wir das durchgezogen. In der Bar gibt es auch Weißbier-Cocktails, aber beim Ausschank sind wir stur. Es gibt auch kein Radler, kein Cola-Weizen, machen wir nicht. Nur Weißbier.

Wie viele Leute kommen am Tag in etwa aufs Weissbierfest?

Eine schöne Menge (lacht). Genau können wir das nicht sagen, es hat noch keiner gezählt. Es ist ja kostenlos. Mal kommen welche, mal gehen welche. Die Security merken, wenn es eng wird und machen dann einen Einlassstopp. Einmal haben wir 2003 zugemacht bei Status Quo. Zusätzlich gehen wir aufs Dach und schauen uns an, ob es zu viele Leute werden und wo es sich ballt. Ein bisschen Stau gibt es oft samstags zwischen den Bands. Wir übertragen aber die Konzerte auch auf einer Leinwand vor dem Zelt.

Wie fühlt es sich an, wenn man auf dem Dach steht?

Es ist sehr schön zu sehen, wenn man das monatelang geplant hat und dann die ganzen Leute reinkommen. Wir sind auch glücklich und es macht uns stolz, dass die Leute so gerne zu uns kommen und mit uns feiern. Wir bieten was für Jung und Alt.

Gibt es eine Geschichte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Unser Schanktechniker, der "Joker" (Gerhard Werder), hat im Jahr 2011 "Kim Wilde" vom Hotel aufs Gelände gefahren. Und für die schwärmt er ja schon immer. Da hat er sich selbst eine CD gebrannt, nur mit Liedern von Kim Wilde, und die im Bus gespielt. Der war ein totaler Fan. Das war das Höchste für ihn. Davon erzählt er immer noch, das hat ihn echt beeindruckt.

Und Sie bleiben dem Weissbierfest noch erhalten?

Auf jeden Fall! Nächstes Jahr mache ich auf jeden Fall noch die Organisation. Dann werde ich mal meine Rente genießen. Mithelfen werde ich aber auf alle Fälle weiterhin, dann vielleicht am Ausschank.


Maisels's Weissbierfest 2017: Das Programm

- Donnerstag, 18. Mai (Einlass 18 Uhr):
- Weissbierfest Opening-Party mit DJ Udo H.
- Mickie Krause

- Freitag, 19. Mai (Einlass 18 Uhr): Cover Night
- Baneful Voices (Class-Rock Cover)
- CoverSnake (Musik von Whitesnake)
- Idolized (Lieder von Billy Idol)

- Samstag, 20. Mai (Einlass 16 Uhr): Rock & Pop Classics
- Bursting Pipes
- Alphaville
- Nena

- Sonntag, 21. Mai (Einlass 9.30 Uhr): Endspurt
- Maisel's "FunRUn"
- Just Two
- Troglauer (Maisel's Weissbierfest Hausband)

Mehr Infos zu den Künstlern und dem "Fun Run" auf der Website der Maisel Brauerei