Strahlenschutz: Bundesamt übt für den Ernstfall

Die Strahlenschutzexperten und die Polizei des Bundes messen die Radioaktivität im Raum Bayreuth/Kulmbach. Das Besondere: Sie tun dies vom Hubschrauber aus.
Von Hubschraubern der Bundespolizei aus wird in der Region Kulmbach/Bayreuth die Höhe der Radioaktivität gemessen. Symbolfoto: Bundespolizei

Bayreuth - Mitarbeiter des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) und der Bundespolizei (BPOL) trainieren vom 20. bis 22. September im Raum Bayreuth/ Kulmbach für den möglichen Ernstfall. Von Hubschraubern aus messen sie die Radioaktivität am Boden. Dazu werden hoch empfindliche Messgeräte eingebaut und ausgewählte Gebiete systematisch überflogen.

Derartige Messübungen finden regelmäßig statt, damit die gemeinsamen Teams der beiden Bundesbehörden jederzeit einsatzbereit sind. Treten zum Beispiel bei einem Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktive Stoffe aus, können innerhalb kurzer Zeit große Gebiete betroffen sein.


Drei Übungsziele

Von Hubschraubern aus lässt sich dann schnell und großflächig ermitteln,
 welche radioaktiven Stoffe am Boden abgelagert wurden,
 welche Gebiete besonders betroffen sind, und
 welche Strahlenbelastung dadurch für die Bevölkerung entsteht.

Dieses Wissen bildet eine wichtige Grundlage für die Katastrophenschutzbehörden der Bundesländer, um über die richtigen Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung zu entscheiden.

Die Region Kulmbach/Bayreuth bietet besonders gute Bedingungen für Trainingsflüge, da es hier natürliche Uran- und Thorium-Vorkommen gibt, die die Messteams von der Luft aus nachweisen können.

Auch Reste des Cäsiums, das sich nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl in Bayern ablagerte, lassen sich in dem Gebiet noch messen. Das bergige Gelände bietet für die Hubschrauberbesatzung eine zusätzliche Herausforderung.


Zwei Hubschrauber im Einsatz

Die Messflüge finden vom 20. bis 22. September in Teilen der Landkreise Kulmbach und Bayreuth statt (siehe Grafik auf dieser Seite). Insgesamt stehen acht Messgebiete zur Verfügung, jedes Gebiet hat eine Fläche von etwa zehn mal zehn Kilometer. Im Verlauf der Übung werden voraussichtlich sechs Gebiete vollständig überflogen.

Für die Messflüge werden zwei Hubschrauber der Bundespolizei eingesetzt. Die zu untersuchenden Gebiete und die konkreten Flugrouten werden - als Teil des Trainings - erst am jeweiligen Übungstag festgelegt. Die täglichen Flugzeiten liegen zwischen 9 Uhr und 17 Uhr.

Die Flughöhe beträgt mindestens 90 Meter, die Fluggeschwindigkeit etwa 100 Kilometer pro Stunde.
Die Gebiete können dabei in parallelen Bahnen oder schneckenförmig von außen nach innen überflogen werden.
Zur Radioaktivitätsmessung aus der Luft arbeiten die Strahlenschutzbehörde und die Bundespolizei beziehungsweise ihre Vorgängerbehörden bereits seit Ende der Achtzigerjahre zusammen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz stellt das wissenschaftlich-technische Personal und die Messtechnik, die Bundespolizei die Hubschrauber und deren Besatzung zur Verfügung.


In fünf Stunden überall

Regelmäßige gemeinsame Messflüge auch mit internationalen Partnern sichern die Einsatzbereitschaft: Innerhalb von fünf Stunden kann jeder Ort in Deutschland mit einem einsatzfähigen Hubschrauber erreicht werden. red