"Bayreuther leben den Basketball"

Die Medi-Korbjäger haben acht Neuzugänge an Land gezogen. Die schätzen an der Wagnerstadt nicht nur das gute Bier und das kulturelle Angebot.
Die neue Nummer 8 bei Medi Bayreuth, Nate Linhart, bei der Sponsoren-Einkleidung.  Fotos: Markus Klein

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Assem Ahmed Marei grinst, als er seinen linken Fuß auf die Schaumstoffmasse drückt: Für seine Schuhgröße, stolze 52, reicht der Karton nicht aus. Der Medi-Mitarbeiter, der seinen Fußabdruck nimmt, muss einen Größeren holen. Neben großen Schuhen trägt der ägyptische Nationalspieler Marei in dieser Saison beim Basketball-Bundesligisten Medi Bayreuth die Nummer 50. Trainer Raoul Korner schätzt an ihm eher seine langen Arme, beziehungsweise seine Rebound-Fähigkeiten: In all den Top-Mannschaften, in denen Marei schon gespielt hat, zählte er stets auch zu den Top-Reboundern. Laut Korner ein Bereich, in dem Medi Bayreuth dringenden Verbesserungsbedarf hatte.


Auskunftsfreudige Bayreuther

Marei, Korner und die anderen Neuen im Team sind zum "Einkleiden" beim Hauptsponsor, bei Medi, im Bayreuther Industriegebiet. An vier Stationen werden ihr Fußabdruck und ihr Laufprofil, ihr Blutfluss in den Unterschenkeln, ihr Oberarm- und Taillenumfang gemessen. Marei sei glücklich, dass seine Freundin ihn wieder zu seinem neuen Wohnort begleitet. Ende Juli kamen sie nach Bayreuth, zuvor hatte er in Litauen gespielt. Nun haben sie eine Wohnung in der Altstadt gefunden. Gerne spaziere er mit seiner Freundin durch die Innenstadt und den Hofgarten. "Das Wetter ist einfach besser als in Litauen", sagt Marei. Deshalb sei vermutlich auch die Leute entspannter. Zumindest könne er problemlos nach dem Weg fragen und werde stets freundlich behandelt. Deutsch spricht er nicht. Er lerne ein paar Brocken, aber ein Kurs werde sich kaum lohnen: Sein Vertrag geht nur über eine Saison. "Viele Leute hier sprechen Englisch. Einkaufen und Ausgehen ist überhaupt kein Problem", sagt Marei.


Drei Freunde wieder vereint

Sein Teamkollege Nate Linhart aus Ohio kennt Deutschland und die Bundesliga bereits. Er spricht auch ein paar Sätze Deutsch, "aber ich verstehe besser als ich spreche", sagt er. Zwischen 2011 und 2013 spielte Linhart bei TBB Trier. Von dort kennt er Bastian Doreth und Andreas Seiferth, die nun mit ihm zusammen spielen. "Mittlerweile sind wir sehr gut befreundet", sagt Linhart. Seiferth habe ihn auch in Israel besucht, als Linhart dort in der vergangenen Saison spielte. "Ich konnte es kaum erwarten, wieder nach Deutschland zu kommen", sagt Linhart. Seiferth habe ihn angerufen und vom Bayreuther Team überzeugt. "Und auch Coach-Korners Vision für Medi Bayreuth konnte mich überzeugen."

Es sei nicht leicht gewesen, Linhart "an Land zu ziehen", sagt Korner. Er sei schließlich einer der Top-Spieler in Europa, der mit Maccabi Tel Aviv im vergangenen Jahr auch den Pokal holte. Für Linhart sei Deutschland sein "Second Home". Nach Ohio zu seiner Familie werde er nicht fliegen, um für die Saison stets im Training bleiben zu können. Deshalb habe er sich eine große Wohnung gesucht, mit einem extra Raum für die Familie, wenn sie ihn in Bayreuth besuchen kommt. Was er an der Wagnerstadt bereits schätzen gelernt habe, seien die Biergärten und Pizzerien.


Essen gut, Bier gut, Stadt gut

Zum Partys feiern habe er bisher keine Zeit gehabt, ähnlich wie sein junger Teamkollege Moritz Trieb. "Ich musste mich viel auf die Saison vorbereiten und ja auch in drei Mannschaften spielen", sagt er. Die neue Nummer 17 spielt neben dem Bundesliga-Team auch in den beiden Jugendmannschaften. Trainer Korner will den U-18-Nationalspieler in den kommenden drei Jahren in Bayreuth "zu einem vollwertigen BBL-Spieler ausbilden". Trieb wohnt in einer Wohngemeinschaft mit den anderen Jugendspielern, und die gehen zusammen ab und an ein Bier trinken und etwas Essen. Beides schätzt er an Bayreuth: "Gutes Essen, gutes Bier, gute Freunde: Wenn das stimmt, ist auch die Stadt gut", sagt der gebürtige Nördlinger. Auch mit den älteren Spielern herrscht eine freundliche Atmosphäre, und er schätzt deren Trainingseifer, der es für ihn einfacher mache, sich zu motivieren. "Zu Nate Linhart kann ich aufschauen. Er ist schon ein Vorbild für mich", sagt Trieb.



An der Wagnerstadt schätze er zudem das kulturelle Angebot. Mit seinen Eltern war er unter anderem in der Eremitage spazieren. Außerdem gefalle ihm, dass man hier nicht in der Anonymität verschwinde wie in einer Großstadt, sondern die Bayreuther Trieb zu Folge "Basketball auch leben: Wir werden als Spieler erkannt und nett behandelt. Man bekommt auch direkt Lob, wenn man ein gutes Spiel gemacht hat. Das baut einen schon auf."

Die nächste Möglichkeit, Moritz Trieb und die anderen neuen Spieler zu sehen, ergibt sich beim ersten Saisonspiel am 25. September gegen Ratiopharm Ulm in der Oberfrankenhalle.