Bayreuther Rap-Kid mit Berliner Reggae-Episode

Steffen Riesss will nur Musik machen. Nach der Schule konnte er davon leben. Im Interview spricht er über Ups und Downs, Reggae und Rap und vieles mehr.
Der Bayreuther Rapper Steffen Ries aka "Superphad" in seinem Studio. Foto: Markus Klein

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Steffen Riess a.k.a. PAR a.k.a. Rojah Phad Full a.k.a. Superphad ist seit seiner frühen Jugend Vollblutmusiker. Erst hat er alleine Rap gemacht, dann mit "Meine Allee" neben einem DJ und einer Sängerin gerappt. Durch Bayreuther Reggae-Partys kam er zu jamaikanischer Musik, hat sich dort ausprobiert und wurde von Deutschlands größtem Reggae-Label unter Vertrag genommen. Er ist nach Berlin gezogen, ist jahrelang mit Szenegrößen durch das Land getourt und hat von seiner Musik gelebt. Private Umstände haben ihn wieder nach Bayreuth und zu Rap gebracht. Wie das alles kam, erzählt er im Interview.

Du bist zum Beginn deiner Jugend nach Bayreuth gezogen. Wie war das und was hat dich zur Musik gebracht?

Als ich mit 14 Jahren nach Bayreuth kam(im Jahr 1999), war ich erstmal ein Einzelgänger und hab fast nur Schule und Musik gemacht. Gerappt habe ich, seit ich 13 Jahre alt bin. Als ich 12 war, kam ich zum Deutschrap, über Absolute Beginner und Freundeskreis und so. Ich fand das gleich megageil damals und wollte das unbedingt selber machen. Dann hab ich mein ganzes Taschengeld für Rap-Maxis (CDs mit einem Lied und der Instrumental-Version) ausgegeben, saß daheim und hab versucht, über die Instrumentals zu rappen. Da habe ich ausgetestet, wie viele Worte in einen Takt passen und was ein Takt überhaupt ist. Meine erste Aufnahmen hab ich auf nem billigen Tape-Rekorder gemacht. Als ich dann nach Bayreuth kam, hat mir mein Vater irgendwann das erste Studio-Equipment geschenkt.

Das erste Mal in Bayreuth gefeiert hab ich erst mit 17. Das Größte für mich war "Hurricane Sound" (Reggae-Dancehall Soundsystem) im Komm (kommunales Jugendzentrum) einmal im Monat. Das war immer voll, so 400 Leute, man hat sich jedes Mal getroffen. Ansonsten ging ich oft zu den "Soundselectors" (Dancehall-DJ-Kombo aus Bayreuth) im Podium, oder zu "Hupfkuchn" (Hip-Hop-Party Veranstalter). Da erinnere ich mich gerne dran zurück.

Wie kam es zum ersten Auftritt?

Den hatte ich bei einer Hip-Hop-Jam von "Hupfkuchn". Einer der Veranstalter kannte mich und hat mich gebucht. Das war noch eine richtige Jam, mit Graffiti, den "Burning Steps" (Bayreuthe Breakdancer) und Freestyle-Rap. Im Jahr 2002 war das. Es ging gut los, hat alles geklappt und viel Spaß gemacht. Dann hat mich dort gleich einer nach Hof eingeladen und dann ging's halt so weiter. Ein paar Jahre später habe ich die Myra kennengelernt und DJ Freezn. Dann haben wir zusammen Mucke gemacht, als "Meine Allee". Und die Myra ist halt sechs Jahre älter und hatte viel mehr Connections in andere Städte. So sind wir viel rumgekommen.

Dann kamst du aber zu Reggae-Dancehall - und wurdest erfolgreich.

Ja, durch die Hurricane-Partys. Der ganze Vybe hat mich echt geflasht. Das hat mir die Musik näher gebracht. Und damals gab es da noch so viele Möglichkeiten, weil es noch nicht viele deutsche Artists gab. Nosliw war der erste, den ich gefeiert hab. Und dann noch Peter Fox mit Seed. Die Muke und die Stimmung waren anders als bei Rap, eine ganz andere Welt. Da hab ich mir gedacht "das muss ich auf jeden Fall auch ausprobieren". Und dann hab ich es halt auch gemacht. Zu der Zeit habe ich viel Wodka mit Red Bull getrunken und wurde deshalb "Rojah Phad Full" getauft. Mit Hurricane, die auch den Reggae-Award als bestes Soundsystem bekommen haben, konnte ich dann viel rumreisen. So ab 2008. Fast jedes Wochenende hatten wir irgendwo einen Auftritt. Zwei Jahre lang ging das so und dann kam ich 2011 schon zu "Rootdown Records". Da hat mich tatsächlich das größte deutsche Reggae-Label gesignt. Und ich bin mit meinen Jungs nach Berlin gezogen.

Wie war die Zeit?


Schön und anders. Davor habe ich ja viel verarbeitet in meinen Raptexten, ernste Sachen, und im Reggae hab ich fast nur Spaßtexte geschrieben. Ich hab auch viele Oldschool Reggae-Sachen parodiert und auf Deutsch umgemünzt. Reggae war mein Spielplatz. Das war wie eine Befreieung, ich habe einfach nur gemacht. Ohne Ziel. Aber manche haben das halt gefeiert , unter anderem eben auch Rootdown. Und auf einmal ist man bei so nem krassen Label. Man hat ein Studio und jedes Wochenende Auftritte. Ich hab die Nosliw-Tour mitgespielt, 25 Städte in 28 Tagen, mit Tourbus. Auch bei Mono & Nikitaman und Maxim war ich dabei. So hab ich viel gelernt auf der Bühne, also wie man damit umgeht, und wie man sich präsentiert. Das ist ja nicht selbstverständlich und viele, die Musik machen, können das nicht oder sind verkrampft.

Ich hab halt alles mitgenommen und das war ein Riessensflash und eine geile Zeit, die ich nicht missen möchte. 80 Gigs im Jahr, Gage bekommen und davon leben können! Ich hab ja nichts anderes gemacht als Musik; keine Ausbildung, kein Studium, nichts. Und direkt nach der FOS (Fachoberschule) konnte ich schon davon leben.




Und wie ist so eine Dancehall-Tour? Rock and Roll?

Also du kannst es wahrscheinlich nicht mit den Rolling Stones vergleichen, aber es ist schon Reggae and Roll, da passiert viel. "Splash" (Europas größtes Hip Hop und Reggae Festival, früher bei Chemnitz, später bei Leipzig) war zum Beispiel richtig krass, im Jahr 2010 war ich dort. Ich war der erste Akt am Freitag in nem Zelt, da war sonst auch noch nichts offen. Ich steh da also in diesem Riessenzelt alleine mit Jens (von Hurricane Sound). Aber plötzlich kamen die Leute rein und das Zelt war in ein paar Minuten voll. Krasse Erfahrung, so viele Leute, und super Technik. Ja und das Drumherum war auch krass, im Hotel waren unsere Zimmernachbarn "Dizzee Rascal" und "The Streets". Da geht was in den Zimmern, verstehste? (Schmunzelt) Und auch auf der Aftershow, vor der Show, während der Show... Da kommst du in Teufels Küche, wenn du nicht aufpasst.

Und wie kamst du wieder zurück nach Bayreuth und wieder zu Rap?

Ganz weg war Rap nie. Ich hab für die Öffentlichkeit Reggae gemacht, aber daheim weiter Raptexte geschrieben und Beats gebaut. Zu der Zeit nicht viel, aber ich bin Rap Kid and that's it. Es sind ein paar Sachen passiert, in der Familie und im Freundeskreis. Privates. Deshalb bin ich wieder hergezogen und deswegen konnte ich einfach keine Happy-Mucke mehr machen. Reggae war ne geile Zeit, aber jetzt ist es auch gut. Es war ein Projekt, und jetzt mach ich wieder meinen Rap-Scheiß. Da hat im Endeffekt kein Weg dran vorbei geführt.

Ich hatte auch einen guten Abschluss: Mit Slonesta hab ich noch eine EP aufgenommen, "Alles geht Phad" hieß die, 2012 war das. Dazu haben dann noch eine Tour gespielt. Und Anfang 2013 hab ich dann alles gekappt. Neuer Name, "Superphad", wieder straight Rap, mein Herzensding. Wo ich herkomme und hingehöre.

Was ist die Quelle für deine Texte?

Einfach alles, wie bei vielen, die Musik machen. Es ist ja nicht so, dass ich mir mit 13 gedacht habe "Geil, da gibt's Weiber und Geld", sondern ich drücke mich halt so aus. Andere sehen was und malen dann ein Bild, und ich schreib halt nen Text und rappe. Ich hab auch ununterbrochen Zeilen im Kopf, Reime, Beatstrukturen. Alles was ich sehe, höre oder fühle, lasse ich durch diesen Filter im Kopf. Ich kann auch keine Musik mehr normal hören. Ich analysiere immer, wie der Beat gemacht ist, die Reimstrukturen, der Textaufbau. Aber manchmal reicht es auch, wenn besoffen einer nen blöden Spruch raushaut und ich mir denk "Boah, ne geile Zeile für nen Refrain!" Zum Beispiel auf meinem ersten Release unter meinem neuen Namen "Superphad", der EP "Frii My Bozzz". Da war ich mit den Jungs am Saufen und dann hat einer gesagt: "Wir sind doch eh zu nichts gut. Alles was wir machen, ist Biggie hören und Vorsaufen." Das habe ich gehört und mir gedacht "was für ein geiler Satz" und daraus ist dann eben der gleichnamige Track entstanden.



Hast du seit dem du hier bist noch mehr aufgenommen und bist du auch aufgetreten?

Ja klar. Vor einem halben Jahr kam die zweite EP, "Neue Heimat Kid". Die beiden EPs hab ich als Freedownload rausgebracht. Damit die Leute wissen, dass ich wieder da bin. Und jetzt bin ich am Album dran. Das kommt dann auch auf CD mit schönem Cover. Freedownload führt ja auf Dauer zu nichts. Die Hälfte hab ich fertig mit Songs die mir gefallen. Musikalisch möchte ich Ende des Jahres fertig sein. Das Drumherum dauert dann wahrscheinlich noch ein paar Monate.

Wann ist dein nächster Auftritt?

Auf dem Kneipenfestival in Bayreuth, am 22. Oktober.