"Anpassen, ohne sein DJ-Gesicht zu verlieren"

Die Bayreuther DJ-Kombo "Grizzly Beats" feiern am Samstag ihr fünfjähriges Bestehen. DJ Rekeatz spricht im Interview über Drum and Bass und Miami.
Richard King a.ka. DJ Rekeatz von Grizzly Beats. Foto: Horst Edgar Feller

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Richard King a.k.a. Rekeatz von der DJ-Kombo "Grizzly Beats" geht wegen der Musik auf Partys. Der 25 Jahre alte Bayreuther King hat ähnlich wie seine Kollegen mit Techno begonnen und legt nun hauptsächlich Drum and Bass auf. Wie das kam, was er interessierten Neulingen in der Musikrichtung empfiehlt und was er gerne mal in Miami tun würde, erzählt er im Interview.

Wie hast du in deiner Jugend die Partyszene in Bayreuth erlebt und wie bist du zu Drum and Bass gekommen?

Das Sophies (ehemaliger Club in der Sophienstraße) war meine erste Anlaufstelle und auch immer vorne mit dabei. Doch sobald ich den Führerschein hatte, habe ich gemerkt, dass es außerhalb von Bayreuth interessantere Veranstaltungen für mich gibt; weil mich an der Bayreuther Partykultur gestört hat, dass die Meisten nur zum Saufen weggegangen sind und nicht, weil gute Musik gespielt worden ist. Meine Freunde und ich sind dann überall rumgefahren: Hamburg, Dresden, Köln... wo eben gerade die Musik gespielt wurde, auf die wir Lust hatten. So kam ich zu Techno und später zu Drum and Bass.

Es gab aber doch auch ein paar Nischenrichtungen in Bayreuth damals, besonders Hip Hop und Reggae. Wie kamst du gerade auf Drum and Bass (DnB)?

Ich spiel jetzt auch nicht nur DnB. Hauptsächlich mag ich Musikrichtungen, die nach vorne gehen, also auch Elektro. Da sind bei de neueren Sachen auch mal Rap-Elemente dabei, das gefällt mir sehr gut, ich mag Hip Hop. Der Fokus auf DnB kam erst in den letzten zwei Jahren, weil die Musik auch mehr Leute anspricht mittlerweile. Vor vier, fünf Jahren war das wirklich noch totale Underground-Musik und man hat das damals nie im Radio gehört; da hat sich viel getan. Das Lustige ist, dass die Leute, die das im Radio hören, oft gar nicht wissen, dass es ein DnB-Track ist, sondern einfach nur gute elektronische Musik.

Was habt ihr drei vorher aufgelegt und wie kamt ihr darauf, zusammen aufzulegen?

Wir machen die regelmäßige Reihe als Grizzly Beats, es hat aber jeder auch noch seinen eigenen DJ-Account, weil man nicht überallhin zu dritt kann. Ich komme vom Techno-Bereich, also damit hat es angefangen, dann ging es über Elektro-Trash zu Härterem. "Justice", "Daft Punk" und sowas haben wurde anfangs gespielt. Davon kam ich mit der Entstehung der neuen Genres über Dubstep auch zu DnB.

Kennengelernt haben wir uns in Bayreuth in der ehemaligen Stereo-Bar (inzwischen geschlossen). Die Veranstaltungsreihe "Wake the Dead" war war hier die ausschlaggebende Veranstaltung. Da lief hauptsächlich Hardcore und Metalcore; und zur Aufheiterung zwischendurch hat einer von uns Dubstep oder Elektro-Trash gespielt, und so sind wir untereinander ins Gespräch gekommen; auch weil wir technisch auf dem selben Level sind uns gut austauschen können.

Wie legst du auf?

Hauptsächlich mit MP3s und DJ-Controller oder CDJs der neuesten Baureihe, um so abwechslungsreich und vielfältig wie möglich sein - aus diesem Grund habe ich auch wirklich aktuellstes Equipment, mit dem auch live Mash-Ups (Zusammenschnitt mehrerer Lieder) möglich sind. Da habe ich Einiges in petto und das trägt viel zu dem persönlichen Style bei.

Wie bereitet ihr euch vor, wie festgelegt ist dein Set vor dem Auftritt?

Ich bereite mich klar vor und mache manchmal auch Speed-Mixe, wo ich dann in einer Stunde 40 Tracks durchbombe; aber bei sowas ist die Vorbereitungszeit wirklich enorm. Ich hae meistens Sets an Übergängen, also man hat etwa drei Tracks, da weiß man, die passen gut zusammen. Dann schaut man mal verschiedene Ordner durch, schaut auf die Leute, wie es ankommt, und dementsprechend kann man sich dann auch noch gut auf das Publikum einstellen. Ich bereite jetzt keine Sets vor, die ich einfach stumpf durchspiele; sondern ich passe mich an. Das ist auch das Ziel: Sich musikalisch an die Leute anzupassen, ohne dass man sein Gesicht verliert als DJ, weil man ja doch in einem speziellen Bereich unterwegs ist und seinen persönlichen Stil hat. Und wenn jetzt zum Beispiel vom "Liebesbier" (neue, beliebte Kneipe mit Biergarten der Brauerei Maisel in Bayreuth)jemand fragen würde, "Du Richy, hast du Lust aufzulegen?", würde ich auch direkt "nein" sagen, weil das würde für beide Seiten keinen Sinn ergeben. Da ist meine Musik einfach zu speziell für das Publikum.

Ist dann umgekehrt das Publikum, dass zu euch kommt, aus einer bestimmten Szene?

Wir sind unglaublich stolz auf unsere Grizzly-Crew, die auch wirklich zu jeder Veranstaltung kommt. Aber die hören alle möglichen musikalischen Bereiche, man kann die nicht über einen Kamm scheren. Was die Jungs und Mädels verbindet, ist die Liebe zur Musik. Und das ist echt schön und wir haben da richtig Glück.

Mischst du auch selbst Tracks und veröffentlichst die auf Soundcloud oder anderen Platformen?

Was ich mache sind eigene Mash-Ups und Remixe, die ich für den jeweiligen Abend vorbereite und so sammelt sich dann auch immer wieder ein Stock mit an, auf den ich jederzeit Zugriff habe. Aber die veröffentliche ich nicht, die sind wirklich nur für den Live-Auftritt. Ich will ja nicht, dass Andere meine Sachen nachbauen, sondern ich will auch meinen Marktwert erhalten. Und meinen Stil.

Wo hast du schon aufgelegt?

Ich war schon in München, Nürnberg und sehr viel in Bayreuth und Umgebung. In Bayreuth selbst war es am Anfang meistens die Schoko-Fabrik. Und im Sophies habe ich früher auch mal aufgelegt. Das war auch mein Ziel, weil ich da als kleiner Steppke ja immer schon hingerannt bin. Auch im Glashaus haben wir schon gespielt. Mittlerweile sind wir Residents (mit dem Club verbundene DJs) im Koco. Im Umland waren wir zum Beispiel auf der "Party im Nirgendwo", ein kleines Festival bei Thurnau. Da waren wir nach Niels van Gogh und Hypercat auf der Mainstage. Das war dann schon... in Ordnung (lacht). Und im Nachhinein haben wir auch von den Veranstaltern gehört "Ey Leute, unterm Strich habt ihr die coolste Musik gemacht auf dem Festival!" Weil wir sind jetzt nicht die, die ins Mikro rufen "Wo sind die Hände, wo sind die Hände?", sondern wir legen den Fokus auf die Musik und den Spaß.



Habt ihr trotzdem manchmal einen MC (von "Master of Ceremonies"; Anheizer am Mikrofon)dabei? Das ist ja im DnB nicht selten.

Bis jetzt noch nicht. Aber ich hab mir das in Bamberg mal angeschaut. Da läuft auch eine wirklich coole DnB-Reihe, die machen öfter mal was mit MC und ich finde das cool und überlege auch, den mal mit nach Bayreuth zu nehmen. Wir haben halt insgesamt einen hohen Anspruch. Ich will niemanden, der die Leute nervt - oder mich nervt - sondern jemanden, der gute Stimmung macht, ohne zu aufdringlich zu sein. Deswegen suchen wir uns auch die Gast-DJs sehr genau aus und schauen, dass die wirklich auch Skills (tecnische Fähigkeiten) haben, die auf unserem Level sind. Deshalb haben wir höchstens noch ein, zwei mal im Jahr jemanden dabei.

Meinst du, in Bayreuth hat sich an der Partykultur etwas verändert seit deiner Jugend?

Es ist deutlich viel mehr von Festivals geprägt als früher. Die Leute gehen im Sommer nicht mehr in den Club; es sei denn, man hat einen persönlichen Bezug zu einer bestimmten Musikreihe. Man geht auch so gut wie gar nicht mehr alleine weg, habe ich das Gefühl. Das war früher anders. Und klar, die WG-Partys werden immer häufiger in Bayreuth. Die Keller mancher WGs sind ja inzwischen ausgestattet wie ein Club. Aber ob es jetzt mehr oder weniger geworden ist, kann ich nicht sagen.

Gibt es eine Platte, die du jemandem empfehlen würdest, der zum ersten Mal DnB hört?

Also wenn man eher aufs Technische steht, dann auf jeden Fall die neue Noisia-Platte, "Outer Edges". Da sind sehr viele experimentelle Sachen drauf und produktionstechnisch ist es auf einem absoluten Weltniveau. Die haben als Studio drei Räume, die sind vollkommen entkapselt, auf so kleinen Mini-Federn. Und die sind als reines Studio gebaut, der akustisch-perfekte Raum. Die machen auch den ganzen Tag nichts anderes als im Studio zu hocken. Entsprechend hochklassig ist das dann auch produziert.
Ansonsten kann ich noch "Wilkinson" empfehlen. Das ist eher was Allgemeinverträgliches.

Wenn du es dir aussuchen könntest, wo würdest du gerne mal auflegen?

Auf dem "Ultra Festival" in Miami. Vor allem, weil man das Gefühl hat, dass die Leute wirklich wegen der Musik hingehen. Es gehört nicht zu den größten, aber zu den abwechslungsreichsten Festivals. Da wird von A bis Z durchgespielt. Und die Location ist natürlich der Hit. Ein Festival in Miami!
"Tomorrowland" (in Belgien) finde ich auch super, da war ich auch schon mal als Gast. Aber das ist ein bisschen zu klischeebehaftet, wenn ich das jetzt im Interview sage, weil da will ja jeder hin. Wobei, "Tomorrowland" ist jetzt nicht nur die Mainstage, sondern es gibt noch 16 Zelte, wo acht DJs pro Stage rumlaufen, und darum sind da auch ein paar interessante Nischen dabei.