Dienstag, 06. Dezember 2016 11:25

17-Jähriger ertrinkt bei Tauchübung - Arzt fordert mehr Vorsorge

Bei einer Tauchübung im SVB-Bad ist ein 17 Jahre alter Mann ertrunken. Ein befragter Sportarzt wünscht sich mehr Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland.
Schwimmerbecken im SVB-Hallenbad. Foto: SVB

von MARKUS KLEIN
Bayreuth - Vergangene Woche ist ein junger Mann bei Tauchübungen im SVB-Hallenbad in Bayreuth ertrunken. Laut Polizei sei der 17 Jahre alte Mann ein häufiger Gast im Bad gewesen, der mehrmals die Woche das sogenannte Apnoe-Tauchen übte, also das Tauchen ohne Sauerstoffflasche. So auch an jenem Mittwochnachmittag (30. November).

Laut Anne Höfer, Pressesprecherin der oberfränkischen Polizei, gebe es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. "Es gibt auch keine Ermittlungen gegen Personen", so Höfer. Das Schwimmbad-Personal habe schnell und richtig gehandelt. Der Mann wurde aus dem Becken gebracht und das Personal versuchte, ihn mit einem Defibrillator zu reanimieren, bis der Rettungsdienst vor Ort war. Tragischerweise ist der 17-Jährige anschließend im Bayreuther Klinikum gestorben.

Die Polizei geht laut Hofer von einer "inneren Ursache " aus, die von einer Vorerkrankung ausgelöst worden sein könnte. Nähere Angaben möchte die Polizei nicht machen.
 


Sportarzt: Apnoe-Tauchen nicht gefährlich - zu wenige Vorsorgeuntersuchungen

Beim Apnoe-Tauchen trainieren die Sportler, wie lange sie unter Wasser bleiben können, ohne Luft zu holen. Der Bayreuther Sportmediziner Reinhard Wittke meint: "Das Apnoe-Tauchen an sich ist nicht gefährlich." Es gebe zwar "Exzesse", etwa bei Weltrekordversuchen, "aber das ist nicht vergleichbar mit Tauchübungen im Schwimmbad." Ein solcher tragischer Unfall könne immer passieren, "da kann man den Bademeistern oder sonst jemandem keine Vorwürfe machen", sagt er. Er möchte nicht spekulieren, könne sich aber eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vorstellen. Generell wünscht Wittke sich dahingehend mehr Vorsorgeuntersuchungen.

"Da hat der Sport in Deutschland dringenden Nachholbedarf", sagt Wittke. In Italien zum Beispiel sei die Regelung strikter: "Da wird man ohne kardiologische Untersuchung nicht zu Wettbewerben zugelassen und kommt oft gar nicht erst in den Sportverein." Hierzulande hingegen blicke er jedes Jahr besorgt auf Großveranstaltungen wie etwa den Berlin-Marathon: "Von 50.000 Läufern haben sich vielleicht zehn Prozent kardiologisch untersuchen lassen", schätzt der Sportmediziner. Das berge große Gefahren für die Sportler.

In der sogenannten "Sporttauglichen Untersuchung", welche die meisten Sport- und Allgemeinmediziner anbieten, wird die Herz-Kreislauf-Reaktion beim Belastungs-EKG und Ruhe-EKG getestet. "Wenn man am Herzen etwas hört, kommt noch eine Ultraschall-Untersuchung dazu", sagt Wittke. Die Vorsorge koste im Schnitt 100 Euro, einige gesetzliche Krankenkassen bezuschussen sie mit rund 80 Prozent.

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