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Azzurri-Absturz nach Chaos-Woche

02.06.2012   Ort: Rom  Von: Von Bernhard Krieger, dpa  

Der Wettskandal und der Wirbel um Torwart Gianluigi Buffon haben Italiens Nationalelf Selbstvertrauen, Klasse und Spielfreude geraubt.

Frustriert
Italiens Trainer Cesare Prandelli muss Wettskandal und blamable Niederlage verarbeiten. Foto: Walter Bieri

Am Ende einer chaotischen Woche stürzten die verunsicherten Azzurri im einzigen EM-Test ab und mussten sich nach dem 0:3 gegen Russland deftige Schlagzeilen gefallen lassen. «Was für eine Blamage!», titelte «Tuttosport» am Samstag. «Erst Chaos, dann Ohrfeigen. Wach auf Italien!», forderte die «Gazzetta dello Sport» acht Tage vor dem EM-Auftakt gegen Titelverteidiger Spanien.

«Diese Niederlage wird uns eine Lehre sein», versicherte Nationalcoach Cesare Prandelli. Vor dem Spiel hatte er selbst die Verunsicherung in der Squadra Azzurra noch vergrößert, als er Italiens EM-Teilnahme infrage stellte. «Wenn es unserem Fußball helfen würde, dass wir nicht zur Europameisterschaft fahren, dann wäre es kein Problem», hatte der Coach gesagt.

Italiens Fußballverbandspräsident Giancarlo Abete mühte sich um Schadensbegrenzung: «Unsere EM-Teilnahme ist in keinster Weise in Gefahr. Prandelli hat das nur so daher gesagt», erklärte der Verbandsboss. Erstaunlich, was in Italien einfach so daher geplaudert wird. Anfang der Woche hatte Regierungschef Mario Monti schon mit einem ähnlich unverantwortlichen Gedankenspiel für einen Aufschrei gesorgt. Monti hatte laut über einen totalen Stopp des Profi-Fußballs in Italien für zwei bis drei Jahre nachgedacht.

Kein Wunder, dass die Azzurri von diesem Durcheinander aus dem Konzept gebracht wurden. In der desolaten Mannschaft konnten am Freitag nur Regisseur Andrea Pirlo und Stürmer Mario Balotelli überzeugen. Im Sturm vergaben die Italiener ihre Chancen, hinten schliefen sie. So feierten die Russen im Züricher Letzigrund-Stadion ein ungestörtes Schützenfest durch Treffer von Alexander Kerschakow in der 59. und Roman Schirokow in der 75. und 89. Spielminute.

Die einzig positive Nachricht kam nach dem Spiel von Nationaltorwart Buffon. «Die Schulter macht mir keine Sorgen», sagte der Kapitän der Azzurri, der zur Halbzeit ausgewechselt worden war. «Das war eine Vorsichtsmaßnahme», erklärte Teamarzt Enrico Castellacci. Der Keeper habe sich bei einer Parade in der ersten Halbzeit eine Zerrung in der rechten Schulter zugezogen. Buffons EM-Teilnahme ist nicht in Gefahr.

Auch in Bezug auf seine angebliche Verwicklung in Wettgeschäfte in Parma glätteten sich am Samstag die Wogen. «Gegen mich wird weder ermittelt noch muss ich aussagen. Ich habe nichts Schlechtes gemacht und bin niemandem Erklärungen schuldig», sagte Buffon. In einem Wettbüro in Parma waren Geldeingänge in Höhe von rund 1,5 Millionen von Buffon gefunden worden.

Das Geld sei jedoch nicht für Wetten eingesetzt worden, erklärte Buffons Anwalt Marco Valerio Corini. Der Besitzer des Wettbüros sei ein langjähriger Freund des Torwarts. Er wickle für Buffon Immobiliengeschäfte und andere Investments ab. «Für den größten Überweisungsbetrag wurden 20 Rolex gekauft. Die liegen seit Monaten in Buffons Safe. Wir können für jeden Geldfluss beweisen, dass er nicht für Sport-Wetten eingesetzt wurde», betonte der Anwalt.

Der italienische Fußball-Verband wird Buffon nach Angaben der «Gazzetta dello Sport» dennoch wegen der Angelegenheit befragen. Der genervte Buffon sagte zu dem ganzen Wirbel abschließend: «Ich mache mit meinem Geld, was ich will!»



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