Energetisch sanieren: Gesamtkonzept statt Stückwerk

11.04.2011     

Energieberater Jörg Wicklein sprach mit dem Lebensraum-Magazin über Fördermöglichkeiten und Konzepte, wenn es darum geht, ein Haus zu sanieren


Energieberater Jörg Wicklein.
Wer ein älteres Haus besitzt oder kauft, ist angesichts der steigenden Energiekosten gut beraten, dieses energetisch zu sanieren. Doch viele Hausbesitzer sind unsicher. Welche Zuschüsse gibt es? Welche Maßnahmen werden gefördert ? Hilfe gibt es bei den Energieberatern. Sie führen durch den Förderdschungel und erstellen einen umfassenden Modernisierungsplan. Zuschüsse gibt es übrigens nicht nur zu den Sanierungsmaßnahmen, sondern auch zu den Beratungskosten. Das Erstgespräch ist in einigen Landkreisen durch die Zusammenarbeit mit der Energieagentur Oberfranken kostenlos. Jörg Wicklein ist Energieberater der Energieberatung Coburg mit Sitz in der Mohrenstraße 9b. Zu seinen Aufgabengebiet gehören Konzepte für Alt-und Neubau, unabhängige, ingenieurmäßige Energieberatung nach BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle), Gebäudethermografie, Gebäudeenergieausweis Wohnungsbau und Nichtwohnungsbau, Fördermittelberatung, Sanierungsberatung, Sanierungskonzepte und Planungsleistungen für Alt-und Neubau.
Für das "Lebensraum"-Magazin hat sich unsere Mitarbeiterin Gabi Arnold mit Jörg Wicklein über eine sinnvolle Sanierung unterhalten.

Herr Wicklein, wenn jemand ein Haus aus den 1960 Jahren kauft, an dem noch nie etwas saniert wurde - mit welchen Maßnahmen muss er rechnen?
Da man von einem Sanierungszyklus von 40 Jahren ausgeht, muss bei einem 50 Jahre alten Haus alles erneuert werden. Dies beginnt bei der Dämmung des Dachgeschosses, den Einbau neuer Fenster und der Fassadendämmung des Hauses. Diese wird am besten außen gedämmt. Idealerweise wird auch die alte Heizung in eine umweltfreundliche Anlage mit nachwachsenden Brennstoffen ausgetauscht. Zu empfehlen sind Flächenheizungen, da diese mit niedrigen Temperaturen arbeiten.

Wie analysieren Sie ein Haus?
Wir beraten vor Ort um zu schauen, wo die Schwachpunkte liegen und wo Energie verloren geht. Zur Bestandsanalyse kann eine Wärmebildkamera eingesetzt werden. Allerdings kann damit nur die momentane Situation dargestellt werden. Nach der Analyse des Hauses wird ein auf das Gebäude abgestimmtes Energiekonzept entwickelt. Im Moment ist übrigens genau der richtige Zeitpunkt für energetischer Maßnahmen. Was man jetzt macht, hat für die nächsten 40 Jahre Bestand und ist sinnvoll. Mit der Analyse des Hauses, erfährt der Bauherr, welcher Energiestandard erreicht werden kann. Je besser der Standard, um so mehr Zuschüsse fließen.

Und wie hoch sind die Kosten für die Analyse ?
Das ist abhängig davon, wie kompliziert das Gebäude ist. In der Regel muss man mit Kosten um die 1000 Euro rechnen. Dies werden bezuschusst.

Welche Fördermittel gibt es ?
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bezuschusst die Beratungskosten, beim Einfamilienhaus sind dies 300 Euro und beim Mehrfamilienhaus 350 Euro. Es gibt weiterhin Zuschüsse zum Einbau von Anlagentechnik mit regenerativen Energie wie Pelletzentralheizungen, Wärmepumpen oder Solarthermie. Die Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) bezuschusst die Sanierungsmaßnahmen und gibt zinsgünstige Kredite. Seit dem 1. März werden auch Einzelmaßnahmen gefördert. Vorher hatte der Eigentümer nur Zuschüsse erhalten, wenn umfangreich modernisiert wurde. Jetzt wird zum Beispiel der Austausch von Fenstern oder des Daches mit fünf Prozent der Investitionskosten gefördert, die maximale Fördersumme beträgt 2500 Euro. Der Antrag muss bei der KfW gestellt werden. Um die Förderungen zu erhalten, muss ein Sachverständiger die technischen Anforderungen und die Qualität der Maßnahmen bestätigen. Zum Beispiel: Möchte der Bauherr neue Fenster einbauen, darf die Wand nicht schlechter sein als die Fenster. Das heißt die Wand muss in diesem Fall mit gedämmt werden.

Was raten Sie Hausbesitzern mit einem schmalen finanzielle Budget?
Auf alle Fälle sollte ein Gesamtkonzept erstellt werden, das komplett auf das Haus abgestimmt ist. Ich halte nichts von Stückwerk. Das fertige Konzept dient dann als Fahrplan, der je nach den finanziellen Möglichkeiten Schritt für Schritt abgearbeitet werden kann.

Kritische Stimmen sagen, dass ein gut gedämmtes Haus nicht richtig atmen kann und sich Schimmel bildet?
Dies ist ein kompletter Irrglaube. Das A und O ist natürlich das richtige Lüften. Idealerweise sollte alle zwei Stunden ein Luftwechsel durch Querlüften, also Öffnen der Fenster stattfinden. Keinen Sinn macht das Kipplüften, die ist Energieverschwendung. Eine weitere Lösung sind Komfortlüftungsanlagen wie in Skandinavien oder Japan, für ältere Häuser sind Systeme im Handel, die in die Wände eingebaut werden.