zurück zur Startseite

Nationalpark

Neue Initiative kämpft für den Steigerwald

Die Initiative "Faire Chance für den Steigerwald" fordert die Landräte auf, den Steigerwald für den Auswahlprozess doch noch nachzumelden.
Es sind Kommunalpolitiker und Gewerbetreibende der Region, die sich unter dem Namen "Faire Chance für den Steigerwald" zusammengefunden haben. Ihr Ziel ist es, die Potenziale, die mit einen Nationalpark verbunden wären, zumindest zu prüfen. "Wir möchten, dass die Millionen hier bleiben und nicht wegfließen", hieß es am Mittwoch in Ebrach.   Foto: Ronald Rinklef
Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 


 
Gibt es einen Stimmungsumschwung im Steigerwald? Bröckelt die Phalanx der Nationalparkgegner? Zumindest mehrt sich die Zahl derer, die fordern, dass das Projekt Nationalpark objektiv geprüft werden sollte. "Wir fürchten, dass der begonnene Dialogprozess im Steigerwald ausgebremst werden soll", sagte Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider am Mittwoch im Historikhotel Klosterbräu in Ebrach.

Er spielt damit darauf an, dass das mit großen Hoffnungen verbundene Verfahren nach dem letzten Treffen im Juni vergangenen Jahres nicht mehr weitergeht. Damals hatten die Teilnehmer beschlossen, eine Potenzialanalyse unter anderem für Weltnaturerbe und Nationalpark im Steigerwald anfertigen zu lassen.

Doch während im Steigerwald alles auf Eis gelegt scheint, hat die Diskussion andernorts Fahrt aufgenommen. Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) treibt die Debatte über den dritten Nationalpark Bayerns im Spessart, in der Rhön und in anderen Regionen aktiv voran. Der Steigerwald droht leer auszugehen.

Dabei gibt es auch im grünen Herzen Frankens viele, die große Hoffnungen damit verbinden, würde eine solche nationale Einrichtung vor ihrer Haustüre geschaffen oder gar ein Unesco-Weltnaturerbe zwischen den Weltkulturerbestädten Bamberg und Würzburg - weltweit eine Seltenheit. Die Nettowertschöpfung eines Nationalparks habe das Umweltministerium selbst auf über 30 Millionen Euro beziffert, sagt der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU). Auch er gehört wie Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke der Allianz "Faire Chance für den Steigerwald" an.

Rund 160 Personen sollen die Gruppe mittlerweile unterstützen. Es sind Gewerbetreibende und Kommunalpolitiker der Region, von der CSU bis zu den Grünen, von der SPD bis zur FDP. Sie eint die Sorge, dass eine Chance unwiederbringlich verpasst werden könnte, die dem Steigerwald anhaltenden Aufschwung bringen könnte. Die Forderung der Allianz ist deshalb klar: Die drei Landräte der betroffenen Landkreise sollen die Chancen der Region wahren und den Steigerwald für den Auswahlprozess nachmelden.

Zum Beispiel Jürgen Hennemann, Fraktionsvorsitzender der SPD im Landkreis Haßberge. Der Bürgermeister in Ebern erhofft sich bis weit in die Haßberge Vorteile von einem "Leuchtturmprojekt" Nationalpark. Oder Liebhard Löffler, FDP-Kreisrat in Bamberg. Er plädiert für einen Kompromiss. Nationalpark und Trittsteinkonzept könnten nebeneinander funktionieren. Aus seiner Sichtwäre dies ein Beitrag zur Befriedung. "Wir im Steigerwald wollen nicht bevorzugt, aber auch nicht schlechter als andere behandelt werden", sagt er.

Vor allem sind es wirtschaftliche Hoffnungen, die mit einem Nationalpark verknüpft werden. "Es ist vielleicht die letzte Chance, die Abwärtsentwicklung aufzuhalten", sagt Gastronomin Bettina Hofmann (Rauhenebrach-Schindelsee) vor dem Hintergrund sinkender Immobilienpreise und wegziehender junger Menschen.

Aufhorchen lässt auch Christian Kann, Inhaber einer Möbelmanufaktur in Zeil: "Zu behaupten, dass der Holzwirtschaft der Rohstoff ausgeht, wenn 7500 Hektar Wald aus der Nutzung fallen, oder dass künftig Brennholz fehlen wird, ist Quatsch. Ich habe keine Angst, dass mir irgendwann die Bretter fehlen", widerspricht Kann einem der zentralen Argumente gegen einen Nationalpark. Mit einer Nationalparkverordnung könne der Holzfluss sicher geregelt werden, glaubt der Unternehmer: "Ein, zwei Holzschiffe, die weniger nach China fahren, und für die Region bliebe mehr als genug Holz übrig."


Kommentar des Autors:

Abwarten ist kein Rezept

Viel Zeit haben die verantwortlichen Politiker nicht mehr, wenn sie alle Chancen für den Steigerwald wahren und handeln wollen.

Sie sind dafür gewählt, Schaden von der Region abzuhalten.

Das bedeutet gerade nicht, sich für oder gegen einen Weg auszusprechen, ehe Genaues darüber bekannt ist, wohin dieser Weg führt.

Das Gegenteil wäre ein Zeichen von kluger Politik, wie sie sich nicht wenige Bürger wünschen.

Wer den Kopf in den Sand steckt, geht ein hohes politisches Risiko ein.
Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.