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Biber

Biberkrise in Bamberg: Das Wasser drückte schon durch

Die Befürchtungen der Stadt haben sich bei der zweiten Verplombungsaktion eines Biberbaus bestätigt. Das Erdreich an der Stengelallee war durchfeuchtet.
Biber haben auch in einem zweiten Fall mächtige Gänge und Bauten in den Damm getrieben, der den linken Regnitzarm vom Hollergraben trennt. Im Bild: Gartenamtsleiter Robert Neuberth und Herbert Schütz vom Umweltamt.  Foto: MW
 
Robert Neuberth, Leiter des Bamberger Gartenamts, spricht von Glück. Glück, dass die zahlreichen Frostnächte im Februar das Erdreich in Bamberg verfestigt hatten, und Glück, dass die Biberfamilie am Hollergraben nicht unbedingt das Wochenende für den möglicherweise bevorstehenden Durchstich zweier so unterschiedlicher Gewässer gewählt hatte - des idyllisch in Tieflage befindlichen Hollergrabens auf der einen und des fast vier Meter höheren linken Regnitzarms auf der anderen Seite mit einem Durchfluss von derzeit rund 35 Kubikmeter Wasser in der Sekunde.


Hochwasser in Kleinvenedig?

Was Bamberg im schlimmsten Fall gedroht hätte, wenn es zu einem Dammbruch auf der rund 200 Jahre alten Stengel-Allee gekommen wäre, bezeichnet Neuberth als eine Flutwelle, eine Art Regnitz-Tsunami, der in Richtung Kleinvenedig geschwappt wäre und dort durchaus zur kurzfristigen schweren Überschwemmungen hätte führen können. Denn anders als im Regnitzarm wäre de Abfluss im Hollergraben völlig unkontrolliert.

Zur Freude vieler kam es nicht zum Dammbruch und die Behörden konnten sich am Donnerstag darauf beschränken, ein solches Krisenszenario auch in Zukunft unmöglich zu machen. So wurde auch am Donnerstag mit schwerem Gerät auf dem Spazierweg Richtung Hainbad gebaggert. Die Männer vom Gartenamt hatten etwa 20 Meter flussabwärts von der Wohnhöhle eines Regnitzbibers einen zweiten Bau mit einem Gängesystem entdeckt, das sich nicht allzu weit unter der Oberkante des Wegs breit machte und sich gefährlich nahe zum Ufer des linken Regnitzarm hin erstreckte. "Das Wasser hat schon durchgedrückt", sagten die Männer vor Ort, um klar zu machen, dass nicht lange gefackelt werden durfte, um Schlimmeres zu verhindern.


Beton gegen die Biber

Zumindest an dieser Stelle werden sich die Biber in Zukunft aber die Zähne ausbeißen: Das große Loch wurde ähnlich wie am Vortag der Biberbau wenige Meter flussaufwärts mit einer Ladung Beton verplombt. Der Weg soll nach einer Sperrung am heutigen Freitag am Wochenende wieder begehbar sein.

Die Bilanz des Biber-Abenteuers der Stadt dürfte die ohnehin vorhandenen Diskussionen um den streng geschützten Nager weiter anheizen. Zum einen beziffert die Stadt den Preis für die bereits erfolgten Arbeiten und eine Reihe noch ausstehender Sicherungsmaßnahmen auf stattliche 60 000 bis 80 000 Euro. Zum anderen ist längst nicht gesagt, dass nicht auch noch weitere Teile des Spazierwegs unterhöhlt sind.

Schon heute ist den Beteiligten klar, dass sich der Konflikt zwischen dem lange Zeit ausgestorbenen Biber und dem Menschen im geschützten Bamberger Hain weiter zuspitzen dürfte. Mit Argwohn verfolgen die Parkwächter, dass im zurückliegenden Winter etliche Starkbuchen im Park geschält und somit dem sicheren Tod durch Vertrocknen ausgesetzt wurden - ein Verhalten, das man vom europäischen Biber eigentlich nicht kennt, sagt Neuberth.

Der Gartenchef der Stadt glaubt, dass es genetische Anteile einer kanadischen Biberart sind, die sich in der besonderen Größe der hier ansässigen Tiere äußern und darin, dass sich die Biber in Bamberg immer wieder auch an Harthölzern vergreifen.

Auch im Bamberger Umweltamt sehen die Mitarbeiter den Konflikt, der sich im Hain auftut, mit Unbehagen. Denn nicht nur der Biber ist streng geschützt. Das gilt ebenso für die Natur im Hain, ganz besonders die Jahrhunderte alten dicken Bäume. "Wir wollen den Hain, aber nicht den Biber", sagt Herbert Schütz vom Umweltamt. Schon ist die Rede davon, dass man den Biber aus dem Hain "vergrämen" will. Doch wie das funktionieren könnte, ist derzeit noch völlig unklar.
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