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Fischerei 

"Die Schäden sind gewaltig"

Kormoran, Reiher, Biber und Fischotter bedrohen die oberfränkische Teichwirtschaft. Aber es ist Hilfe in Sicht.
Martin Maschke ist Fischotterberater in Niederbayern. Mit Zäunen will er Fischotter von Teichen fernhalten. Auch in Oberfranken soll dieser Tage ein solcher Berater eingesetzt werden. Symbolfoto: Armin Weigel/dpa
 
Stephan Herbert Fuchs

Kormoran, Grau- und Silberreiher, Biber und Fischotter: So possierlich manche dieser Tiere auch sein mögen, den Teichwirten können sie im Extremfall die Existenz kosten. "Die Schäden an unseren Teichen sind gewaltig", sagte Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, bei der Jahresversammlung in Himmelkron. Trotzdem gab es bei der Veranstaltung auch einige positive Signale.
So soll die bis 15. Juli geltende artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung, die in Bayern den Abschuss von Kormoranen vorgibt, übergangslos weitergeführt werden. "Es wird daran gearbeitet, entsprechende Regelungen hinzubekommen", sagte Manfred Löbl, der für die Fischerei fachlich zuständige Bereichsleiter an der Regierung von Oberfranken.
Die Regelung besagt, dass der Abschuss von Kormoranen zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden und zum Schutz der Tierwelt von Mitte August bis Mitte März in einem Umkreis von 200 Metern um Gewässer erlaubt ist.


"Manche sind fast am Ende"

Auch was den Fischotter angeht, ist Hilfe in Sicht. Noch im Februar soll ein Berater eingesetzt werden, der für die Oberpfalz und für Oberfranken zuständig sein wird. Er kommt an die entsprechenden Teiche, sucht nach Spuren, dokumentiert Schäden, leiht entsprechendes Gerät aus und hilft den Teichwirten bei Anträgen auf Entschädigung.
"Manche Betriebe sind schon fast am Ende", machte Alexander Horn von der Teichgenossenschaft die Dimension der Schäden durch den Fischotter deutlich. Er bezifferte die Schäden für einzelne Betriebe auf bis zu 30 000 Euro. Noch schlimmer sei die Situation in der Oberpfalz. In einzelnen Teichen seien bereits bis zu 80 Prozent des Besatzes betroffen.
Das Tückische am Fischotter sei, dass man ihn nicht sieht, sagte Vorsitzender Thoma und Alexander Horn befürchtet: "Der Otter wird auch Oberfranken überrennen."
Daneben sind es auch Biber, Grau- und Silberreiher, die Teichanlagen zerstören und Jagd auf heimischen Fisch machen. Während die Biberproblematik durchaus in der Öffentlichkeit diskutiert werde, würden die massiven Verluste durch Grau- und Silberreiher nur von den betroffenen Teichwirten wahrgenommen. "Wir wollen keine Reiher ausrotten, aber man muss doch bei Schäden eingreifen können", so Thoma.
Die Probleme sind mittlerweile auch in der Politik angekommen, das machten die Aussagen der beiden Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer (CSU) und Peter Meyer (FW) deutlich. Brendel-Fischer forderte, nicht die Entschädigungsleistungen immer mehr zu erhöhen, sondern vorher einzugreifen und die Populationen durch geeignete Maßnahmen einzuschränken. Meyer sprach sich für ein Monitoring für Graureiher aus. Hier seien die Daten längst nicht mehr aktuell, weil sie noch aus dem Jahr 2008 stammten.
Die Problematik werde zunehmend erkannt, so Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Neben dem Ottermanager, der in diesen Wochen seinen Dienst aufnehmen wird, leiste auch ein eigener Kormoranmanager hervorragende Dienste.
Doch nicht nur Kormoran und Co. machen den Teichwirten zu schaffen, auch ein extrem trockenes und niederschlagsarmes Wetter wie im Hitzesommer 2015. Simon Abt von der Fischereifachberatung des Bezirks hatte eine Umfrage gestartet, wie sich diese immer häufiger auftretenden Wetterkapriolen auf die Betriebsergebnisse auswirken. Über die Hälfte der Teichwirte hatte 2015 Einbußen, hielt er als ein Ergebnis fest.
Am schlimmsten betroffen gewesen seien wegen der warmen Wassertemperatur Forellenteiche, bei einzelnen Teichwirten war die Fischernte komplett ausgefallen. Die Teichwirtschaft werde sich darauf nur schwer einstellen können. Ein großes Problem seien dabei auch Privatleute, die zur Bewässerung ihres Gartens über Pumpen größere Wassermengen aus Fließgewässern entnehmen, die eigentlich Teichanlagen speisen. "Da bleibt für den Teichwirt nicht mehr viel an Frischwasser übrig", sagte er und forderte, Verstöße konsequent zu ahnden.
Erfolge sehen die Teichwirte in ihren Marketingbemühungen. "Die Preise für heimischen Fisch beginnen leicht anzuziehen", sagte Thoma. Problem sei, dass viele Verbraucher kaum Direktvermarkter kennen. Man habe deshalb auf der Homepage (www.tegof.de) eine Liste veröffentlicht.


Menü in der Mensa

Als Anregung schlug der Vorsitzende auch vor, regelmäßig heimischen Fisch als Menü in den Mensen der Hochschulen und Universitäten anzubieten. Thoma: "Fisch ist eiweißreich, liegt nicht schwer im Magen und ist gut fürs Hirn."
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