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Auftritt

Zusammen ließen sie es krachen

Von Marsch bis Filmmusik boten die Städtische Jugendkapelle aus Kulmbach und die Rugendorfer Dorfmusik einen Querschnitt durch das Repertoire der Blasmusik.
Zweieinhalb Stunden Blasmusik querbeet durch die Literatur boten die Städtische Jugendkapelle und die Rugendorfer Dorfmusik bei ihrem Konzert am Freitag. Foto: Klaus Klaschka
 
"Früher gab es in fast jedem Dorf eine Blaskapelle," erwähnte der Rugendorfer Bürgermeister Ralf Holzmann kürzlich beiläufig in einem Gespräch mit der Bayerischen Rundschau. "Das hat nicht immer gut geklungen. Inzwischen hat sich das aber gewaltig geändert." Der Nachwuchs bekommt jetzt eine intensive Ausbildung in den einzelnen Vereinen, über den Nordbayerischen Musikbund - "und nicht zuletzt durch die Ausbildung in der Städtischen Musikschule Kulmbach." Den Beweis für Holzmanns Eindruck legte am Freitagabend das gemeinsame, bereits 13., Frühjahrskonzert von Städtischer Jugendkapelle und Rugendorfer Dorfmusik im Zettlitzer Feststadl ab.
Musikalische Kultur braucht Ausbildung, aber auch Möglichkeiten. Nicht zuletzt deshalb stellte Harald Streit, der Leiter der Musikschule und Dirigent der Jugendkapelle, am Ende des Konzerts auch mit Respekt fest, dass die "Ermöglicher und Ehrengäste" bis zum Ende des zweieinhalbstündigen Konzerts geblieben waren. Zudem hatte die Familie Weisath ihren Feststadl kostenlos zur Verfügung gestellt. Und der war zum Konzert brechend voll.
Den Auftakt machte die Jugendkapelle mit dem Frankenlied. Sie bot im weiteren Verlauf einen Querschnitt durch das Repertoire der Blasmusik von Marsch und Polka bis hin zu Filmmusik ("Fluch der Karibik") und einem Medley von Falco-Hits. Aber auch mit dem vermeintlich traditionellen, tatsächlich aber vor noch nicht langer Zeit von Paul McCartney geschriebenen "Mull of Kintyre." Das hat die Jugendkappelle neu für ihre Reise demnächst nach Schottland einstudiert, wie das Publikum aufgeklärt wurde.
Die Jugendkapelle spielte forsch und mit Elan. Die Freude der Jugendlichen, zu zeigen, was sie können, war hörbar. Eine letzte Möglichkeit zu brillieren hatte der Trompeter Felix Biedermann, der ab Juli in Düsseldorf Musik zu seinem Beruf machen wird.
Weicher, vielleicht abgeklärter, spielte die Rugendorfer Dorfmusik. Ob das auch am nachbestellten Bier in der Halbzeit des Auftritts lag, soll hier nicht behauptet werden. Oder lag es am größeren Anteil der Frauen bei den Trompeten? Ein Kompliment verdient sicher das Schlagzeug, das sich angenehm zurückhielt. Aber alle Sektionen des Orchesters waren hörbar auf einen harmonischen Zusammenklang aus.
Ein wenig erinnerte es an die Gemeinderatssitzungen, in denen Meinungsverschiedenheiten weniger heftig ausgetragen sondern vor allem ausgeglichen werden. Dass in der Dorfmusik außer dem Bürgermeister auch drei Gemeinderäte mitspielen, darauf hatte Ralf Holzmann zum Auftakt des zweiten Konzertteil auch hingewiesen. Dass sein Stellvertreter Fritz Rösch im Publikum heftig am Schunkeln war, war Holzmann hinter seinem Tenorhorn allerdings entgangen.
Dirigent Volker Pöhlmann führte die Rugendorfer dezent durch Märsche und Polkas, etwas aufwändiger wenn es bei Bert Kempfert und James Last eher swingen soll. Den Rest machte das Orchester scheinbar alleine; die Arbeit war schon in den Proben gemacht. Zum Schluss des Konzerts wurde es heftiger. Die Leute der Jugendkapelle hatten tatsächlich während des Rugendorfer Auftritts draußen gewartet und mischten sich schließlich unter die Dorfmusik. Die Bläser nun in Mannschaftsstärke von symphonischen Ausmaß im immer enger werdenden Feststadl mussten für die letzten beiden Nummern dicht gedrängt stehen, zum Sitzen wäre kein Platz mehr gewesen. Zwei Dirigenten, zwei Orchester mit dem Bayerischen Defilier- und Beethovens Yorkschem Marsch ließen es am Ende richtig krachen.
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