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Ausnahmezustand im "Blauen Haus"

Die dumpfen Klänge des Cajun, die betörende Helligkeit der Violine, eine virtuos gespielte Gitarre, dazu die Bouzouky und Derbouka und ein mal drei-, mal fü...
Das "Orchestra Bailam e Compagnia di Canto" riss das Publikum im überfüllten "Blauen Haus " zu Begeisterungsstürmen hin. Foto: Horst Wunner
 
Die dumpfen Klänge des Cajun, die betörende Helligkeit der Violine, eine virtuos gespielte Gitarre, dazu die Bouzouky und Derbouka und ein mal drei-, mal fünfstimmiger Gesang. Fremdartig, zwischendurch mysteriös, exotisch, orientalisch. Es war ein Abend der Superlative, der großen Emotionalität. So viele Leute wie noch nie füllten den Saal des "Blauen Hauses", ausverkauft und Zusatzstühle, und am Ende frenetischer Beifall.
Der Wahnsinn im positiven Sinne hatte einen Namen: "Orchestra Bailam e Compagnia di Canto." Neun Ausnahmemusiker aus der italienischen Hafenstadt Genua, echte Spielleute und mitunter heitere Fellini-Figuren, brachten das euphorisierte Publikum fast zum Ausflippen. Und die A-cappella-Formation zu dritt mit Tenor Matteo Merli als Starsolist mit einer weich akzentuierten, berauschend klingenden Stimme ergänzte den Auftritt perfekt.


Ein bisschen wie Gaukler

Sie alle präsentierten sich auch ein bisschen wie Gaukler, Gestik und Mimik allein wären schon das Eintrittsgeld wert gewesen. Farbenprächtig, temporeich, beschwörend, alle Facetten musikalischer und sängerischer Vielfalt nutzten sie.
Die Wurzeln eines Seefahrervolkes waren unüberhörbar, kamen in den Titeln "Mamma Li Turchi", "Galata" und "Erzerum" beredt zum Ausdruck. Melancholie, Verliebtsein, den zarten Beginn des Frühlings, das Dahinschmelzen und die Herzenswärme, wenn man ein Kleinkind in den Schlaf wiegt, das können so wahrscheinlich nur Italiener.
Sprechgesang, Lautmalerei, Mönchsgesang ähnelnd, Jubilieren und leises Verharren, das Trio konnte einfach alles. Und dann gab es ja noch diese Stücke in höllischer Geschwindigkeit, im furiosen Spiel des mitreißenden Vorwärtsstürmens: Ohne Halt, ohne Atemholen, die instrumetale Wucht war fast überbordend, aber stets präzise und in rhythmischer Dichte.
Die Leute standen auf, wie von Geisterhand gelenkt, tänzelten, klatschten wie verrückt, stießen Schreie aus, vergaßen Zeit und Raum. Die Musiker verschmolzen fast mit den Zuhörern, die von purer Energie und Suggestionskraft des "Orchestra und Compagnia di Canto" getragen wurden.
Und eines muss man noch erwähnen: Diese Virtuosität von Edmondo Romano an der Klarinette in wunderbarer Intensität und differenziertem Blasvolumen, und der wilde, dann wieder einfühlsame Strich des Roberto Piga auf seiner Violine. Phantastico!
Die oben auf der Bühne durften nicht aufhören, so unnachgiebig forderte man Zugaben, die sich zu einem zweiten Konzertteil ausweiteten. Aber damit noch nicht genug: Unten im Garten ein kleines Open Air für die Gäste, die nicht heim wollten. Gesang spontan, getragen von der Lust am Singen.
Erst um Mitternacht verklangen die Songs aus der Welt der italienischen Liedermacher. Ein Abend, den man nicht so schnell vergessen wird, der Seltenheitswert hatte.
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