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Standort

Jetzt kann es zickzack weitergehen

Die AFW Creativ-Stickerei ist von Mannsflur nach Marktleugast umgezogen. Der Betrieb bleibt in der Gegend, in der die Mitarbeiterinnen wohnen.
In ihre neue eigene Produktionsstätte zieht die AFW Creativ-Stickerei derzeit von Mannsflur nach Marktleugast um. Fotos: Klaus Klaschka
 
In drei Tagen eine ganze Fabrik umzuziehen, kann nicht jeder. Die AFW CreativStickerei schon. Das funktioniert aber nur, falls alle zusammenhelfen. Vom Lehrling bis zu den Chefinnen.

Und wie bereits bei der Firmenübernahme der damals insolventen Fahnenfabrik Meinel hat man auch den jetzigen Umzug von Mannsflur nach Marktleugast selbst in die Hand genommen: Lkw gemietet, von morgens bis nachts die neun tonnenschweren Mehrkopfstickautomaten abgebaut, geschleppt, gefahren und wieder aufgebaut. Stoffballen und Stickmaschinen geschleppt und eine Unmenge Schachteln mit Mustern, Vorlagen und Zierrat umgezogen.

Damit keine Zeit verloren ging, haben die Mitarbeiter mit ihren Familien Kleinteile selbst in ihren Privatautos gefahren.

Am vierten Tag konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. Auch wenn noch nicht alles ganz fertig ist: Die Aufträge sind da und müssen auch termingerecht erledigt sein, sagt Geschäftsführerin Birgit Rodler.

Nach Feierabend steht sie noch an den computergesteuerten Stickautomaten und richtet sie zum Sticken von Emblemen für einen großen Sportartikelhersteller ein. Ein weiterer Automat stickt Wappen für eine Feuerwehr.
Doris Rau bedient weitere Automaten. Dazwischen wieseln Elektriker hin und her, die weitere Maschinen und auch die restliche Elektrik des neuen Firmengebäudes anschließen.

Die Platzverhältnisse im bisherigen Stadtort in Mannsflur wurden mit der Zeit bei knapp 700 Quadratmetern viel zu beengt. Und die fünf Gesellschafter von AFW waren deshalb froh, am Ortseingang von Marktleugast zwei Kilometer weiter das Gebäude der ehemaligen Nordofa mit nun 1000 Quadratmetern Gesamtfläche kaufen zu können.


Standorttreue bewiesen

Den Standort zu wechseln und den Frankenwald zu verlassen kam gar nicht in Frage, empört sich Birgit Rodler: "Alle 26 Mitarbeiter stammen aus der Gegend." Denn die Kontinuität und das Know-how der Belegschaft ist ein bedeutender Teil der Produktionsqualität und damit des wirtschaftlichen Erfolgs.

"Einen Neubau können wir uns nicht leisten", spielt die Geschäftsführerin den Erfolg der Firma herunter. "Deshalb fiel die Entscheidung für die alte Nord ofa."

Allerdings gab es in dem renovierungsbedürftigen Gebäude seit Mai einiges vor dem Umzug zu tun, was Mehrausgaben verursachte: Der Fußboden war mit Asbest verseucht und musste komplett ersetzt werden. Das Dach wurde ebenfalls saniert, "womit wir nicht gerechnet hatten", sagt Birgit Rodler.

Neu sind auch Fenster und Heizung, das gesamte Gebäude ist mit stromsparenden LED-Lampen ausgestattet und mit einem Lüftungssystem, das die Staubfasern absaugt, frische Außenluft zuführt und dadurch das Raumklima verbessert.

"So viel wie nach dem Auszug aus Mannsflur haben wir unser ganzes Leben noch nicht geputzt", denkt Birgit Rodler an die drei Umzugstage zurück, als man aller Flusen und Fädchen habhaft werden musste, die sich in den vergangenen acht Jahren hinter Regalen und Maschinen angesammelt hatten.

Im weiteren Produktionsraum grinst Christine Zapf an einer altehrwürdigen Stickmaschine übers ganze Gesicht: "Endlich ist genug Platz für uns und unsere Maschinen."


Alt, aber bestens bewährt

In ihrer Abteilung finden teils fast museale Maschinen Verwendung, stabil gebaute Industriegeräte, die praktisch nicht kaputtgehen, und für die es auch keine modernen Konstruktionen gibt. Doch ohne so eine Kurbelstickmaschine zum Beispiel könnte AFW keine Mützen herstellen, die einen rheinischen Karnevalisten in närrische Laune versetzen. 100 Stück warten gerade auf ihre Vollendung.

Und der Heimat- und Bürgerverein Overath in Nordrhein-Westfalen kann sich bald mit seiner neuen Fahne schmücken. Eine aufwändige Stickerei mit viel Handarbeit.

Stolz führt Birgit Rodler in einen Nebenraum: "Wir haben endlich auch eine kleine Küche für unsere Mitarbeiter." Die Büroräume im Tiefparterre sind augenblicklich für eine Besichtigung aber noch tabu. "Da muss noch ganz viel gemacht werden," sagt sie. Auch ein Stück der Fassade ist noch eingerüstet, bis die Maler fertig sind.

Bis 16. September soll aber alles fertig sein. An dem Samstag soll Eröffnung gefeiert werden. In einem Zelt auf dem neuen Firmengelände: "Mit offiziellen Reden, das gehört dazu - und auch mit kirchlichem Segen. Darauf legen wir schon Wert."
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