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Portrait

Der letzte Stundenplan ist gemacht

Siegfried Sesselmann war 39 Jahre lang im Schuldienst tätig. Mit Ablauf des Schuljahres geht der Rektor der Marktleugaster Schule in Ruhestand.
Vor seinem letzten Stundenplan: Siegfried Sesselmann geht mit Ende des Schuljahres als Rektor der Marktleugaster Schule in den Ruhestand. Foto: Klaus Klaschka
 
Es heißt bald Abschied nehmen von seinen Schülern, den Eltern, aber auch von seinen Lehrern, und allen die am Gelingen der Schule beteiligt waren. Ein Nachfolger für den Marktleugaster Rektor ist noch nicht gefunden. Seiner Leidenschaft als Historiker wird Sesselmann aber weiter nachgehen. Im März wurde er zusammen mit Uwe Franke als Kreisheimatpfleger bestellt.
Siegfried Sesselmann hatte immer ein Ziel vor Augen, für das er "seine" Lehrer unbedingt mitnahm und das er auch unerbittlich und konsequent verfolgte: "Seine" Schule voranzubringen. Als Verbundkoordinator für die Mittelschulen Marktleugast, Stadtsteinach und Neuenmarkt hatte er nicht nur Marktleugast allein im Blick zu behalten.
"Vor sechs Jahren lag die Auflösung der Mittelschule Marktleugast in der Schublade", plaudert Sesselmann aus dem Nähkästchen der Schule, deren Einzugsgebiet früher aus elf Schulorten bestand. "Nach meinem Dienstantritt in Marktleugast wurde mir die Aufgabe des Verbundkoordinators übertragen. In dieser Funktion versprachen wir, das Staatliche Schulamt und ich, den Verbund vier Jahre zu sichern, nun existieret er bereits sechs Jahre. Mein Ziel war es stets, die drei Standorte gleichwertig bestehen zu lassen."


Einbruch der Schülerzahlen

Der Einbruch der Schülerzahlen in den Gemeindegebieten Marktleugast und Grafengehaig musste aber zu Konsequenzen führen. "In manchen Mittelschulklassen sind jetzt nur noch vier bis fünf ,eigene Schüler' vorhanden. Weitere Schüler kommen nun aus den Gebieten Stadtsteinach und Neuenmarkt. "Schüler, die freiwillig zu uns nach Marktleugast kommen", betont der Rektor ausdrücklich, "weil wir die Regelschule ohne Ganztagesangebot sind."
Man muss die Eltern und Schüler mitnehmen, ist Sesselmann überzeugt. "Das geschieht durch enge Kommunikation mit den Eltern und den Bürgermeistern und durch verschiedene Maßnahmen, die die Schule attraktiver machen." Die Eltern wurden regelmäßig per E-Mail über alles rund um die Schule auf dem Laufenden gehalten. Die Homepage der Schule hat bis jetzt 61 000 Zugriffe." Und Marktleugast ist mittlerweile so etwas wie die "Sportzentrale" der Schulen im Landkreis: Der Fußball-Pokal der Mittelschulen wird in Marktleugast ausgetragen, Kreissportfeste Leichtathletik, im Handball der 2. Koser-Cup-Pokal aller 4. Klassen im Landkreis und ein medienträchtiges Handball-Event, für das nur zwei Schulen in Bayern ausgewählt wurden.
Für den Lehrer Siegfried Sesselmann zählt in erster Linie der Mensch, Schüler, die ihm anvertraut waren, die er bei den ersten Schritten ins Schulleben, über die Schullaufbahnempfehlungen bis hin zur Berufsorientierung begleitete. Als Lehrer für die Jahrgangsstufen 1 bis 9 fand Sesselmann seine Schwerpunkte in den Fächern Mathematik und Musik. Schulfeiern oder Verabschiedungen gestaltete er immer musikalisch aktiv mit.
"Die Meinung der Eltern war mir stets wichtig; viele positive Rückmeldungen bestärkten mein Handeln. Man muss die Schule für Eltern, Vereine und weitere Partner öffnen. Sie muss ein Teil des öffentlichen Lebens sein", sagt Sesselmann. "Und man muss mit der Zeit gehen." Zwei Computerräume wurden neu eingerichtet, die der Rektor seit Jahren selbst betreut.
Wie soll es in Bayern, in Marktleugast weiter gehen? "Viele Schulleitungen bleiben in Zukunft unbesetzt. Wer will die immer mehr zunehmenden Aufgaben, die Verantwortung, die schwieriger werdende Erziehungsarbeit und dazu auch noch die ganze Verwaltung leisten und nebenbei Klassenleiter sein (wie ich es noch war)?" Außerdem fehlen Lehrer. Es wurde keine Werbung für Mittelschullehrer von Seiten der bayerischen Regierung gemacht - man wusste, dass Bedarf kommen wird - und nun ist er angekommen: der Lehrermangel.
"Die Erziehungsarbeit an Grund- und Mittelschulen wird immer schwieriger. Eltern bringen ihre Erziehungsschwierigkeiten vermehrt in die Schule und nehmen diese in die Pflicht. Oder sie geben der Schule die Schuld, falls elterliche Erziehung nicht mehr greift," so Sesselmanns Erfahrung. Die Kernaufgabe der Schulen sei aber nach wie vor die Vermittlung von Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen. Für die Erziehung zu Anstand, vorbildlichem Verhalten und Motivation wäre das Elternhaus immer noch in der vornehmlichen Pflicht. Die Schule allein könne nicht alles leisten, so Sesselmann. Sesselmann sieht in der Zukunft an jeder Schule Psychologen, Förderschulpädagogen und Sozialpädagogen, die auch ins Elternhaus gehen.


Un-Ruhestand

In seinem demnächst beginnenden Un-Ruhestand wird sich Sesselmann seinen Aufgaben als Kreisheimatpfleger im Landkreis Kulmbach, als Vorsitzender der Ortsgruppe Stadtsteinach im CHW (Geschichtsverein), als 2. Vorsitzender bei den Sammlerfreunden Stadtsteinach und als Kassier im Lehrerverein des BLLV Kreisverbandes Stadtsteinach widmen, wird weiter in der örtlichen Presse aus der Geschichte des Stadtsteinacher Landes berichten. Aber auch für seine Frau und seine beiden Söhne soll nun mehr Zeit zur Verfügung stehen.
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